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Anmerkung des Webmasters: Ihr befindet euch hier auf den "alten" Informationsseiten der Aktion  von 2008 vor der Vereinsgründung (ersichtlich auch am fehlenden e.V. im Titel der Seiten).  Diese Seiten sollen die Entwicklung der Hilfsaktion dokumentieren und sind daher weiter zugänglich.

 

Bilderalbum  vom Nepalaufenthalt   (Vorsicht! Größe: 23 MB)

Daniela's und Steffi's Reisebericht

Mittwoch, 12.11.08

Die heiße Phase hat begonnen. Die Zeit läuft weg. Ingo ist längst in Kathmandu und über Email nicht zuverlässig zu erreichen. Nachdem ich die Nacht am Update der Seite durchgeschrieben habe, fahre ich morgens nach Gießen, um einen Teil der übrig gebliebenen Spendengelder auf das Konto der HRDSN zu überweisen. Guter Tipp von der Deutschen Botschaft in Nepal: Dies nicht über die Sparkasse machen, sondern über die Dresdner Bank. Ich kann das nur wärmstens bestätigen!!! Eine Überweisung dauert 5-6 Tage und die Gebühren sind durchaus erträglich.

Anschließend noch ein Gang durch den Buchladen, ich habe immer noch keinen Nepal-Reiseführer. Man sieht nur, was man weiß… später sagt Stefanie mir, dass sie gleich zwei davon hätte. Schlechte Feinabstimmung!

Nächster Stop: Copyshop. Reisepass und andere Dinge kopieren. Anschließend heimfahren. Irgendwie fahre ich an der Sparkasse vorbei, anstatt anzuhalten, um meine Reiseschecks abzuholen. Also abends Zettel geschrieben und in die Armaturen gehängt.

Mittags kurzer Spaziergang mit den Hunden, Amigo ist nicht so gut drauf, Barry dafür um so doller, ich bin tot müde und will eigentlich nur noch die Augen schließen. Zu Hause und noch nicht die Schuhe aus, rufen meine Eltern an. Langes Telefonat, anschließend noch eine lange Email, u.a. mit allen ggf. nötigen Notfalldaten und -kontakten. Das gleiche noch mal als Zettel für Axel verfasst. Bei Stefanie trifft unterdessen Jeanny mit Laxmi ein.

Kurz was essen, dann noch mal in die Heia, Wecker ist gestellt. Um 16 h wollen wir uns in der Nähe des Veterinäramtes in Gießen treffen, um vor unserem Termin um 16.30 noch Fotos zu machen. Das Wetter spielt mit, ein tolles Licht, die Herbstsonne steht aber schon tief. Kurz vor der Abfahrt klingelt mein Handy, Tania ist dran… sie hat ihren Autoschlüssel im Auto eingeschlossen. Hilfe! Ich starte also nach Langgöns durch, sammle Tania und Dunston ein und zurück im Tiefflug nach Gießen. Um kurz vor halb fünf sind wir dort. Draußen Bilder machen fällt aus, der Amtstierarzt hat extra für uns noch Überstunden gemacht. Jetzt kommt schon das erste Problem auf uns zu: Unsere Welpen hatten ja ursprünglich nur die nationalen gelben Impfpässe. Für die Auslandsreise brauchten sie den EU-Impfpass und in den neuen haben wir natürlich schon ihre nepalesische Adresse eingetragen. Das konnte vom Amtstierarzt nicht bearbeitet werden, denn es muss dafür eine Adresse aus dem Landkreis eingetragen sein. Nachdem sich das erste Chaos etwas gelegt hat, trugen wir die Vereinsadresse kurzerhand nach. Zwischendrin musste noch das – leider- Indoorfoto von Steffi, den Hunden und mir im Treppenhaus des Vet-amtes gemacht werden. Wieder Chaos… Ich gab mich dem Kollegen schließlich als Tierärztin zu erkennen und erklärte überhaupt mal, warum wir die Hunde in Nepal ließen, dass wir sie dort nicht verkaufen und dass wir eben keinen Tollwuttiter benötigen, da sie ja nicht wieder in die EU zurückreisen sollten. Nachdem das geklärt war, ging alles ganz einfach. Unendlich viele Stempel (manch ein orientalischer Pass aus Karl-May-Zeiten wäre stolz darauf) später hatten wir unsere Bescheinigungen komplett. Zwischendurch drohte noch das Chiplesegerät seinen Geist aufzugeben. Da ich die betroffenen Hunde selbst gechipt hatte, konnte ich auch sicher sein, dass dort ein Chip sitzt… zwischendurch flackerte dann das Display doch noch mal auf und damit klappte es dann doch noch. Ein bedrohlicher Blick in die Gebührenordnung, aber es hielt sich in Grenzen. Ich glaube, die 36 Euro waren für den Kollegen durchaus verdientes Geld ;-)

Eine Stunde hatte die Prozedur gedauert, draußen war es dunkel, und Stefanie und Wanda fuhren mit Jeanny in ihr Gasthaus und anschließend nach Hause, während ich Tania heimfuhr und noch auf ein Glas Saft und ein köstliches Marmeladenbrot (irgendwas mit Himbeer und Thymian) noch mal mit rein kam. Tania leidet sehr unter dem Gedanken, Dunston weg zu geben.

Abends noch alle Impfpässe und Gesundheitszeugnisse kopiert und sicherheitshalber schon mal nach Nepal gemailt. Man weiß ja nie…nach 22h Feierabend. In den letzten 38 Stunden hatte ich gerade mal 90 Minuten geschlafen. Wer will mir noch was von Jetlag erzählen….

Daniela

Donnerstag, 13.11.08

Heute war es also soweit, der große Tag…

Ich war noch nicht unter der Dusche, da klingelt schon das Telefon. Tania dran, Dunston hustet… das fehlt jetzt noch. Gestern Mittag war noch alles ok, abends dann bei Tania hat er sich wohl schon etwas geräuspert…

Mir schwante schon schlimmes und Tania war ziemlich verzweifelt. Warum musste es immer ihr Dunston sein, der sich alles einfing? Er hatte bereits gestern abend sicherheitshalber Antibiotika und heute früh einen Kinderhustensaft bekommen. Gut, Husten, das ist kein Weltuntergang und geht wieder weg. Aber das würde bedeuten, dass er gestern womöglich alle anderen Hunde auch schon angesteckt hat und wir dann spätestens am Sonntag 4 hustende Hunde in Nepal hätten. Kein schöner Ausblick. Noch weniger gefiel mir der Gedanke, dass bei ihm die Schleimhäute anschwellen könnten und er keinen Druckausgleich machen könnte. Ich hatte das bei meinem letzten Flug und das tat ordentlich weh. Dagegen bekam ich jetzt von meiner Apotheke abschwellende Nasentropfen (ich bin ja immer noch erkältet).

Papiere und Medikamente einpacken, und noch mal mit den Hunden raus, bevor es losging. Die Zeit läuft schon wieder weg. Ein paar Fotos noch, das Licht ist noch nicht so gut, wie ich erhofft habe. Mit Aldo noch mal raus auf die Wiese (wenn Barry mit ihm tobt, hat er keine Zeit zum Haufen machen), Geschäft erledigen vorm Flug. Am Gartenzaun dann Abschied von Axel, Amigo und Barry. Schnauzenleck… ihr werdet euch nie wieder sehen… das sollte ich nicht wieder denken, sonst heule ich…

Schließlich fanden wir uns um 9h am Treffpunkt in Gießen ein, und ich untersuchte Dunston selbst erst mal. Hier hustete er gar nicht, aber etwas Nasenausfluss und geschwollene Mandibularlymphknoten waren deutlich. Rachen und Mandeln obB. Wenigstens etwas. Ich hatte Medikamente mitgebracht, er bekam entsprechende Spritzen und Hustensaft und meine Nasentropfen. Wir hielten uns die Option offen, ihn nicht fliegen zu lassen, sollte sich nichts bessern. Dann würde er sich hier noch mal 2 Wochen auskurieren und müsste danach dann einzeln fliegen.

Die ganze Zeit bis zum Einchecken hustete er aber nicht ein einziges Mal, und auch die Nase war wieder versiegt. Nachher noch mal Nasentropfen kurz vorm Flug, alle Hunde wurden mit einem immunstimulierenden Mittel behandelt, noch ein Antiparasiten-Spot on für Laxmi…

Weiter gings zum Airport, vorher noch mal kurz die Hunde Pipi machen lassen und dann rein: Cargo City Nord, Tor 26. Anmelden, Passierkarten für die Autos holen. Die Wegbeschreibung zum Gebäude 458 war prima.

Dann war es 11 h, wir mussten rein ins Büro von Gradlyn Kennels gk-air, der Firma von Kay Wissenbach. Impf- und Gesundheitsbescheinigungen abgeben, zwei Formulare unterschreiben (dass wir keine artgeschützten Tiere versenden und dass (Zitat Kay) „wir den Hunden keine Bomben zu fressen gegeben hatten“.) Langsam kam etwas Hektik auf, wir hatten ja unsere Boxen mitgebracht und der Ventilator von Aldo´s Box stellt ein Problem dar: Es sind elektronische Bauteile und die könnten Probleme machen. Da lebende Tiere nicht geröntgt werden dürfen, könnte man das für eine Bombe halten. Und abmontieren ließ sich das Gerät nicht. Kay war aber so interessiert daran, dass er mit raus an unser Auto ging und sich das Teil nicht nur anschaute, sondern auch Fotos machte. Nur wegen der tollen Idee, denn das Gerät war ursprünglich ein Kühlventilator eines Computers.

Gut, die Box musste also hier bleiben, er hatte aber noch eine gebrauchte für uns. Wir hatten für den Notfall Geld dabei. Also kein Problem.

Auto in die Lagerhalle fahren, Boxen aufbauen, der Angestellte von Kay montierte Wassernäpfe in die Türen. Unten kam eine zweilagige Spezialpappe rein, die besonders saugfähig ist. Und dann der Schock: Unsere Vetbeds, (besonders dickflauschige Teddydecken, die Flüssigkeit nach unten durchlässt und oben liegen die Hunde trocken) durften nicht mit in die Boxen!!! Die ganze Strecke nur auf der dünnen Pappe? Die ja dann zwangsläufig bald eine nasse, schmutzige Pappe sein würde??? Stefanie war entsetzt. Es half nichts, die Boxen standen schon im Lieferwagen und die Hunde mussten einsteigen. Die Leinen und Halsbänder wurden mit Kabelbindern außen an den Boxen befestigt (in der Hoffnung, dass sie niemand klaut).

Wir standen da, Tania, Stefanie, Jeanny aus Holland, Lorenz unser Staffelführer, Dany, Alex und Verena aus unserer Staffel, und natürlich ich, bei den meisten flossen die Tränen oder wir mussten doch ziemlich schwer schlucken… unsere Welpis in den Boxen wussten ja nicht, was sie noch vor sich hatten…. Da kommen dann die Gedanken „Die sehen wir nie wieder“ „tun wir wirklich das richtige?“ „was tun wir den armen Knirpsen damit an?“. Schließlich hatten alle in der Staffel die Hundewelpen lieb gewonnen und schon mit ihnen gearbeitet. Tolle Hunde, unglaublich liebenswürdige und hoch talentierte Hunde. Würden sie in Nepal nicht viel kürzer leben, als hier? Mir fiel der Vergleich ein mit Hauskatzen, den ich immer meinen Patientenbesitzern erzähle, wenn es darum geht, ob die Katze ein Freigänger oder ein reiner Stubentiger werden soll… die Wohnungskatze mag uralt werden, wird aber doch ein recht langweiliges Leben führen (da ihr der Vergleich fehlt, ist ihr das womöglich egal). Die Freigänger-Katze wird vielleicht nach wenigen Jahren überfahren. Aber bis dahin hat sie ein spannendes und erfülltes Leben gehabt… Ich hoffe, dass unsere Hunde in Nepal beides haben werden: Ein langes und spannendes, erfülltes Leben….

Steffi diskutierte mit dem Angestellten, der kein Pardon kannte und wurde stinkwütend. Trotzdem, der Transporter fuhr, die Hunde kamen zunächst zur Animal Lounge, der besten in ganz Europa. Aber nur auf einer dünnen Pappschicht. Wir gingen wieder ins Büro. Die Rechnung für die Box musste ja noch bezahlt werden, und wir brauchten noch den Frachtbrief. Steffi beschwerte sich heftig über die fehlenden Decken, denn sie hatte vorher nachgefragt, ob das geht, und die Firma hatte das bejaht. Manchmal würden sie zwar auch von den Sicherheitskräften entfernt werden, weil sie nicht darunter gucken konnten, aber meist waren sie egal. Steffi diskutierte sich lautstark in Rage. Der andere Angestellte (armer Kerl dachte ich) sprach kurz mit dem Chef, meinte dann, ok, holt die Decken, er holt das Auto und fährt hinterher. Gesagt getan, jetzt haben unsere Wauzis Decken in den Boxen. Wenn sie dann irgendjemand in Bangkok rausholen will, bitteschön, dann sind sie wahrscheinlich eh schon mit Häufchen garniert, das wäre dann auch nicht das schlechteste ;-)

Kay Wissenbach ist ein unheimlich sympathischer Mensch, der Ruhe ausstrahlt und sich dann noch mal zu uns setzte. Steffi kam im Gespräch dann ziemlich schnell wieder runter, wir unterhielten uns noch ein Weilchen. Wie lange die Hunde fliegen, wie es in Bangkok weiter geht. Vermutlich würden sie dort doch nicht aus den Boxen rauskommen, aber sie würden in einem klimatisierten Raum untergebracht werden. Gute 10 Stunden Flug bis Bangkok… Als es um das Bezahlen der Box ging, meinte Kay dann, dass er sie uns spenden würde. Die Spendenquittung wird ihm dann so schnell es geht zukommen. Unser Rettungshundebus hatte ihn begeistert. Wir versprachen ihm, ein Foto davon zu machen mit einem kleinen Text und unseren Links dazu, für seine Homepage (www.petshipping.com). Und er sagte, dass seine Firma uns sicherlich noch etwas Geld spenden würde. Super! Schließlich gingen wir noch mal in die Lagerhalle, bekamen eine ganze Kiste voll Einhängenäpfe für Hundeboxen und eine neue Gittertür für eine von Steffis Hundeboxen, die eine defekte Tür hatte. Wir, insbesondere Steffi, waren da allerdings längst wieder versöhnt….

Wir fuhren wieder zurück nach Gießen und gingen noch eine Kleinigkeit essen. Jeanny wollte zwar erst nicht, weil sie einen Kloß im Magen hätte, aber sie kam dann doch mit. Dann ging es weiter zum Ottilienhof, wo wir Jeanny nach Hause verabschiedeten. 5 Stunden Fahrt nach Holland, im Berufsverkehr sicher mehr… Sie wird Lydia, die sehr traurig sein muss, von uns grüßen und trösten. Nächstes Jahr werden uns beide mal ein Wochenende oder länger besuchen kommen und mit uns zusammen die Hunde trainieren und ein bisschen Urlaub machen.

Lorenz gab mir noch eine Einweisung in seine Kamera, die ich mir für Nepal ausleihen kann. Und dann ab Richtung Heimat. Aldo´s Klima-Box werde ich dem Verein abkaufen und darin zukünftig Barry transportieren, sie passt genau auf meine Rückbank, wo Barry bislang „offen“ saß. Oder eben auch nicht, wenn er sich mal wieder aus dem Geschirr gedreht hatte…

Unterwegs noch ein Stopp an der Sparkasse. Reiseschecks abholen, dem Zettel auf dem Armaturenbrett sei Dank. Noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen – Sonnencreme, Rei in der Tube, ein paar Filme für die Kamera (ja, ich werde analog fotografieren… Mechanik versagt nicht so schnell wie Elektronik!)… und dann endgültig heim. Als erstes eine Email mit der Kopie des Frachtbriefes nach Nepal schicken, dasselbe noch mal per Fax.

Jetzt muss ich noch fertig packen für morgen, schreibe diesen Webblogeintrag fertig und dann …. Ab in die Heia. Aber vorhin habe ich noch ein sehr wichtiges Telefonat geführt. Das wird unser kleines Weihnachtsgeschenk an die HRDSN… mal gucken, was sie sagen…

Um 10.00 holt Lorenz mich hier ab, dann fahren wir zu Steffi und packen sie ein, und dann geht’s zum Flughafen. 12.30 Check in, um 14.50 rollt der Flieger dann Richtung Startbahn…. Qatar Airways Flug 0026, ein Airbus A 332.

Den nächsten Blogeintrag werde ich dann erst wieder am Samstag aus Nepal schreiben!

Daniela

Freitag, 14.11.08

Um 5 .02 Uhr kommt eine Mail aus Kathmandu vom "Empfangskomitee":

"Guten Morgen,
wir haben eben schon mit Thai Airways telefoniert. Nach der telefonischen Auskunft haben alle Vier den Transit in Bangkok gut überstanden und sind auf dem Weg nach Kathmandu. In etwa drei Stunden mache ich mich auf den Weg zum Flughafen.Ich werde die SMS schicken, aber aus Nepal kommen SMS nicht in allen deutschen Netzen an... Von Deutschland nach Nepal funktionieren SMS gar nicht. Also nicht beunruhigt sein, falls das etwas dauert! Bei mir zu Hause sind schon alle ganz aufgeregt: Die Hunde kommen! :-)"
Um 6.58 kommt doch eine SMS an: "Alle Hunde sind gut angekommen und wohlauf! Euch auch guten Flug!"

Jetzt geht´s mir besser!

Telefonisch kam am Vormittag dann die Nachricht, dass die Hunde bei ihrer Gastfamilie in Kathmandu eingetroffen sind. Alle sind in einem guten Zustand und auch Dunston geht es gut. Und das Gebell der spielenden Hunde im Hintergrund bestätigte dies lautstark.

Selbst die Decken waren noch in den Boxen!

Daniela

Samstag, der 15.11.08:

Wir sind mit  1 Stunde Verspätung losgeflogen, und mussten dann in Doha feststellen, dass ein neuer Flugplan gilt d.h. wir hatten von 22.30 bis 4.45 Aufenthalt. Das war aber in soweit nicht schlecht, da ich dort erst mal meine Luftkrankheit auskurieren musste. Die Tablette hab ich definitiv zu spät genommen...

Der zweite Flug war erheblich sanfter als der erste, weniger Kurskorrekturen, ein sanfter flacher Start und ein gefühlvollerer Landeanflug... und mit halbwegs voller Tablettenwirkung;-). Steffi gings blendend und die aß natürlich fleißig . Beim zweiten Flug hat mein Magen aber jegliche Zufuhr vermieden.

Der Anflug auf Kathmandu ist atemberaubend schön, das Himalaya begleitet einen die ganze Zeit und die Landschaft ist phantastisch.

Anflug Kathmandu 

Sämtliche Kontrollen in FFM, Doha und KTM verliefen reibungslos, und an der Gepäckausgabe wurden wir bereits abgeholt.

Dann die erste Fahrt durch den nepalesischen Straßenverkehr. Sie haben einen sehr ausgefallenen und lockeren Fahrstil (nicht nur Linksverkehr, sondern Vorfahrt hat, wer sie braucht, sich nimmt, am lautesten hupt oder das dickere Auto hat...). Menschen, Radfahrer, Motorradfahrer, Straßenhunde fahren zbw. laufen wild durcheinander, und trotzdem läuft das alles irgendwie...

Zuerst sind wir zu den Hunden gefahren, Gepäck abliefern, Hunde begrüßen, Informationsaustausch. 

Dann mit einem nepalesichen Freund der HRDSN nach Thamel, die Touristengegend in KTM, vorbei am rosa Königspalast und ein paar schönen Tempelanlagen. In Thamel bummeln und die wichtigsten noch fehlenden Sachen einkaufen - vor unserem Abflug werden wir das noch intensivieren.

 

 

Anschließend wieder zum Haus der Freunde, wo unsere Hunde ja schon seit gestern wohnen und sich dort im Rudel pudelwohl fühlen und toll betreut wurden. Dabei haben sich Helga und Dunston zusammengerottet (sie schlafen zusammen auf einem Sessel), und Aldo mit Laxmi sind auch ein Paar.
Als Dankeschön für unseren Aufenthalt und die Hilfe bei der Unterbringung der Hunde und alles andere, haben wir natürlich noch ein kleines, aber persönliches Präsent mitgebracht und es gab natürlich eine Privatsprechstunde für alle Tiere im Haushalt unserer Gastgeber.

Abends gingen wir essen und trafen da zum ersten mal auf Ingo, Govinda, Jith und die beiden Enkel von Ingo und wurden herzlich begrüßt. Das Essen war köstlich, ein 8-Gänge-Menü nach traditioneller nepalesischer Art. Ich bin pappsatt und hab längst nicht alles essen können. In diesem Restaurant - es besteht aus mehreren kleinen Esshäusern mit großer Fensterfront rund um einen Tanzplatz - wurden während des Essens traditionelle nepalesische Tänze vorgeführt, genial war der Pfauentanz, wo ein Tänzer sich als Pfau verkleidet hat, das war einfach wunderschön.

Nach dem oppulenten Mahl gings wieder "nach Hause" und nach der Versorgung der Hunde kann ich den PC hier zum Blogschreiben nutzen. Beim Abfragen meiner Mails kam dann eine böse Überraschung. Einer unserer Rettungshunde in Deutschland ist plötzlich in Folge einer Magendrehung gestorben. Das müssen wir erst mal verarbeiten  ;-(
Liebe Birgit, ich kann Dir gar nicht sagen, wie leid uns das tut!

Um 7 h morgen früh müssen wir abfahrtbereit sein, denn sonst kommen wir in den Berufsverkehr und hätten dann 3 Stunden, bis wir aus KTM raus sind und auf der Piste Richtung Pokhara, wo wir morgen nachmittag ankommen wollen.

Morgen abend werde ich vermutlich wieder online sein... bis dahin

Daniela

Sonntag, der 16.11.08:

Hi zusammen,
ich will Euch mal ein bisschen neidisch machen. Wir hatten den ganzen Tag schoensten Sonnenschein, Tagestemperaturen von um die 26Grad Celsius (das hier ist eine englische Tastatur, da gibts manche Buchstaben etc. nicht oder sie liegen an den falschen Stellen, das macht das Blindschreiben nicht unbedingt einfacher...). Heute frueh sind wir um 6h aufgestanden, gegen 7h wurden wir abgeholt. Der Abschied war nicht so ganz leicht, die beiden Springer hatten naemlich in den vergangenen Tagen ihren ganzen Charme spruehen lassen, so dass wir sie fast nicht mehr wiederbekommen haetten.

Fahrt nach Pokhara2


Wir sind dann mit einem ziemlich coolen Fahrer in einem modernen Kleinbus (aehnlich gross wie unser Staffelbus) mit Aircondition nach Pokhara aufgebrochen. Der Verkehr war in Kathmandu zum Glueck noch nicht in vollem Gange, so dass wir ohne Stau aus der Stadt rausgekommen sind. Der Staffeljeep hinterher, vollbeladen mit Futtersaecken und Govinda und Jith. Kathmandu ist echt sehenswert, es grenzte etwas an Reizueberflutung, auch ohne sightseeing tour und Touristenhochburgen. Witzig war, dass das nepalesische Militaer uns mit drei Pferdekutschen im vollen Strassenverkehr begegnet ist , eine davon im vollen Galopp! Beide bespannt mit alten englischen Ledergeschirren, jeweils wunderschoene kraeftige Schimmelzweispaenner.
Die Strasse von KTM nach Pokhara besteht eigentlich ausschliesslich aus Kurven und Serpentinen, wenn es mal 100 m geradeaus ging, dann war das schon extrem viel, und das war dann meistens in den Strassendoerfern. Es ist eine relativ gute Asphaltstrasse, jeweils auf der einen Seite begrenzt durch eine sicherlich 1m tiefe Regenrinne, daneben meist Felswand, auf der anderen Seite meist ein senkrechter Abhang, an den meisten Stellen gesichert durch dicke Fels- oder Betonkloetze. In manchen Kurven fehlten die aber, das waren dann ziemlich tiefe Absturzstellen, den Steilhang runter oder in den Fluss unten. Die Strasse hangelt sich in Serpentinen die Berge rauf oder runter und folgt

 

dann diversen Fluessen, die noch nie mit Flussbegradigungen vergewaltigt worden sind. Sandbaenke, Seitenarme usw... toll, das findet man in Mitteleuropa gar nicht mehr.

Fahrt nach Pokhara

Die Strasse ist gerade so breit, dass zwei Busse oder Lkw aneinander vorbeipassen. Es gibt keine Geschwindigkeitsbegrenzung (die haengt ausschliesslich von Erfahrung, Mut und PS-vermoegen ab), und die Ueberholmanoever werden mit einem entsprechenden Hupkonzert eingeleitet, insbesondere vor Kurven. Unser Fahrer war klasse, ich habe zwar keinen Blick auf den Tacho erhaschen koennen, aber wir haben so ziemlich alles ueberholt. Er kannte die Ausmasse des Busses auf den Milimeter, manchmal dachte ich, bei Ausweichmanoevern in den Doerfern muss er doch irgendwann mit dem Aussenspiegel einen Fussgaenger mitnehmen, aber das passierte nicht.
Schlecht wurde mir diesmal nicht, aber dafuer war ich auch viel zu beschaeftigt, mich mit den Fuessen vorne abzustemmen, die Fliehkraefte wirken halt doch etwas mehr, wenn es keine Gurte zum anschnallen gibt.
Ich fand es jedenfalls enorm, wie der Verkehr laeuft, ein funktionierendes Chaos. Irgendwie faehrt oder laeuft jeder so, wie er meint, hauptsaechlich irgendwie halbwegs links, und die Ueberholmanoever klappten auch immer irgendwie. Hupe, Lichthupe , Blinker und Handzeichen dienen der Verstaendigung untereinander, und eine spezielle Form der gegenseitigen Ruecksicht macht hier offenbar eine typisch deutsche StVO ueberfluessig.
Wir schafften die Strecke in Rekordzeit, da wir weder Staus, noch Pannen unterwegs hatten und es auch keine Unfaelle gab.
In Nepal gibt es reichlich Strassenhunde, die meisten sahen wirklich gut genaehrt aus und auch vom Fell her schoen, alles wie verkleinerte DhoKyis, oder wie indische Pariahunde. Hunde, Huehner und Kinder laufen und spielen an der Strasse entlang und irgendwie scheint fast nicht zu passieren. Auf der ganzen Strecke haben wir gerade mal einen ungluecklichen ueberfahrenen Hund gesehen. Ich denke, dass die Fahrer hier auch deswegen wirklich Ruecksicht auf alles Lebende nehmen, weil in jedem Hund, jeder Kuh, jedem Bueffel und jedem Huhn oder Ente ja die eigene verstorbene Grossmutter stecken koennte.

Zwischenstopp

Bei unseren beiden Zwischenstopps waren wir mit den vier Hunden die absolute Sehenswuerdigkeit, nicht nur fuer die Kinder (die einmal auch einen Welpen irgendwoher an einer Kette hervorzauberten), sondern auch fuer die Erwachsenen, die sich gleich versammelten und diese merkwuerdigen Auslaenderinnnen mit dem angeleinten Hunderudel sehen wollten.
Laxmi klaute auch noch den Fussball von ein paar Kindern (naja, sie schossen ihn auf sie zu) und ich musste einen Auslass-Griff anwenden, um ihn ihr abzunehmen...
Die Springer und sogar Aldo haben auf der Fahrt ganz schoen gesabbert, Dunston hat dann auch gekotzt, aber kaum hier angekommen, waren sie schon wieder wohlauf.
Es ist enorm, wie die Hunde alles wegstecken. Die drei Welpen liegen gerade oben auf der Dachterrasse alle auf einer Decke, Steffi hat sich ein paar Minuten hingelegt und Laxmi liegt irgendwo da oben rum, alles schlaeft (oder pluendert den Futtersack, den ich oben hab unbewacht stehen lassen????)

 


Da Ingo mit seinen Enkeln mit dem Flugzeug von KTM nach Pokhara geflogen ist, waren wir etliche Stunden vor ihm hier, haben unsere ersten Nepali-Vokabeln gelernt und mein Englisch wird Gott sei Dank immer fluessiger, je laenger ich mich unterhalte. Mittlerweile mache ich mir ueber Aussprache oder aehnliche Kleinigkeiten ueberhaupt keine Gedanken mehr :-))

 

 

Wir haben den ganzen Nachmittag auf der Dachterrasse gesessen, uns unterhalten, uns die grandiose Landschaft angeschaut, das Alpen(falsch, Himalaya-)gluehen bei Sonnenuntergang und den Sonnenuntergang hinter den Huegeln im Sueden. Was heisst hier Huegel, herzlichen Dank, wenn das bei uns Mittelgebirge waeren, wuerde ich mir das mit den RH-Einsaetzen noch mal gut ueberlegen .... da gaebe es garantiert bequemere Hobbies!


 

Wir waren noch mit Jith's Frau und den Kindern mit den Hunden hier in der Gegend etwas spazieren, auf abgeernteten Reisfeldern und einem kleinen Waeldchen in der Naehe. Die Kinder lernten die Namen der Hunde schneller als die Mutter, und unsere Nepali-Versuche loesten durchaus Gelaechter aus. Insbesondere als sie mich fragte, ob wir noch in diesen Feldweg reingehen wollen und ich mit "Ho" = ja antwortete. "Komm,komm,komm" waren die ersten Worte auf Deutsch, die sie gelernt haben (und so wird sie vermutlich auch ihre Kinder rufen, vielleicht kommen sie dann auch so schnell), die Kinder uebten Hundepfiffe und pfui,pfui,pfui wenn die Welpen mal wieder Bueffelfladen fressen wollten hatten sie auch ganz schnell drauf. Ich vermute, das na,na,na! internationale Bedeutung hat :-))


Wir haben hier viele tolle Voegel, Adler kreisten ueber unserem Haus, unten auf dem Feld lief was Mungoartiges und hier fliegen die Alexandersittiche wie in Koeln frei herum,  und andere Voegel, die ich noch nie gesehen habe. Aber dafuer habe ich mir in KTM ein Vogelbestimmungsbuch gekauft und natuerlich ein weiteres fuer Reptilien und Amphibien. Ich hoffe, ich bekomme auch noch welche zu Gesicht und vor die Kamera. In einem Schlangengoettinnen-Heiligtum (ein kuenstlicher See in KTM) sollen jedenfalls keine Schlangen, dafuer aber jede Menge Schildkroeten drin sein. Mal gucken...
Das Essen ist in 5 Minuten fertig, es gibt sowas aehnliches wie Spinat, gekocht von Jith's Frau. Ingo geht Steffi wecken, ich muss langsam Schluss machen.

Nepal ist wunderschoen, auch ohne dass man hier auf Trekking geht. Die Menschen sind sehr freundlich, ich habe hier auch im Verkehrschaos nie jemanden streiten sehen. Die Uhren ticken hier irgendwie anders. Ich kann Ingo gut verstehen, dass er hier geblieben ist.

Morgen bleiben wir noch hier, ich hoffe, dass wir dann Bilder schicken koennen oder auch noch heute abend. Ein paar Bilder habe ich per MMS geschickt, bin gespannt ob die ankommen und was es kostet ....

LG
Daniela

 

 

Montag, der 17.11.08

Hallo Germany!

Guten Morgen...es ist jetzt 6 Uhr frueh in Pokhara und ein bischen diesig...leider keine Fotos von der Morgenroete ueber der Annapurna Range :o(   

Aber Annapurna im Sonnenuntergang von Daniela!! (Anm. Webmaster)

Annapurna

Die Weibsleut schlafen noch.... mit allen Hunden auf einer Bude hier .... mief .. mief ... stink .. stink... und der Jeep bringt heute erst mal das Hundefutter und meine zwei Enkel nach Shyauli Bazaar!
Zum Fruehstueck gibts frisches Roti-Fladenbrot mit Dschungelhonig und der Panda-Baer in der Kueche, der die Brote baeckt, muss noch von Daniela behandelt werden, denn er hat vor lauter Aufregung ueber die vierbeinigen Gaeste glatt heut Nacht ein steifes Genick gekriegt! :o)

Gruesse an alle guten Geister bei Euch in Old Germany..."Operation neue Vierbeiner in Shangri-La" ist hiermit erfolgreich angelaufen!

Herzlichst
Ingo

späterer Montag, der 17.11.

Endlich mal ausschlafen und gleich werden wir heimlich beobachtet. Die Hunde stinken gar nicht...Die Nepalis stehen halt frueh auf und gehen frueh schlafen, abends ist der Strom sowieso meist abgeschaltet.
Die Hunde haben sich gut eingelebt, es ist schon fast langweilig, denn viel Auslauf koennen wir ihnen nicht bieten, da Laxmi ja laeufig ist und die gesamten Strassenhunde anlockt. Wir beschraenken uns also auf den mehrmaligen Spaziergang zu den  nahegelegenen Feldern. Leider auch das nicht ganz ohne Hindernisse, denn die Wege sind gepflastert mit koestlichem Unrat, in Deutschland nicht zu finden, besonders Helga und Dunston sind sehr angetan von all den leckeren Dingen am Boden. Helga hat sich bereits den Magen verdorben, vermutlich an den Ueberesten einens ziemlich mumifizierten Frosches, von dem wir ihr leider nicht mehr alles abnehmen konnten.
Den Rest des Tages verbringen wir auf der graeumigen Dachterasse des Headquarters in Pokhara, wo immer wieder Nepalis vorbeikommen, die die Hunde sehen wollen und uns immer wieder nach deren Namen fragen. "Dunston" ist fuer die Nepalis am schwierigsten, aus Helga ist Elga geworden , Aldo bleibt Aldo, aber mit einem "o" wie in "Loch"  und Laxmi ist ja hier bestens bekannt.

 

 

Die Hunde sind alle sehr, sehr lieb und freuen sich ueber jeden Besuch, wirklich erstaunlich wie schnell sie sich an alles Neue gewoehnen.
Naja, Bueffel sind ihnen doch noch etwas unheimlich, aber die haben wir ja auch heute zum ersten Mal aus der Naehe betrachtet.

 

 

 

 

Heute nachmittag haben wir uns einen kleinen Ausflug zur "lakeside" gegoennt, nur kurz natuerlich, denn morgen frueh geht es ja schon wieder weiter an unser eigentliches Ziel, Shyauli Bazaar, 2 Stunden Autofahrt auf unwegsamer Strecke und dann noch 2 Stunden Fussweg, wir sind gespannt.........Jeden Tag ein neues Abenteuer.  

Steffi

Dienstag, 18.11.08

Fruehmorgens um 5.30 klingelt der Wecker (die anderen werden mit einer Triangel geweckt, das hoert sich viel schonender an und verbreitet garantiert auch eine bessere Morgenstimmung als dieses Gepiepe). Die Badezimmer und Toiletten hier sind kombiniert, d.h. ein Hockklo etwas erhoeht und nebendran in der anderen diagonal gelegenen Ecke ist an der Wand eine Brause angebracht und der Boden ist schraeg, so dass das Wasser durch einen Gulli ablaufen kann. Waschbecken ist draussen, in unserem Fall auf der Dachterrasse. Wir hatten schon abends alle Sachen soweit gepackt, dann schnell mit den Hunden Pipi gehen und selbst Fladenbrote mit diesem koestlichen Himalayahonig essen (Fladenbrote sind selbstgebacken und der Honig ist sooooo cremig, normal esse ich ja kaum welchen, aber davon bringe ich mir was mit!!!). Die Hunde fuettern wir sicherheitshalber nicht, denn die Fahrt wird nicht so easy, wie die Strasse von KTM nach Pokhara.
Eigentlich wollten wir die Tour ja auf zwei Durchgaengen machen, weil im Jeep nicht so viel Platz ist, aber der Vermieter vom Pokhara HRDSN Office ist Busfahrer und hat einen der einheimischen Busse (mit kurzem Radstand und hoher Bodenfreiheit). Auf der Strecke in das letzte noch mit dem Auto erreichbare Dorf vor Shyauli fahren wohl regelmaessig Busse, und er ist die Strecke auch schon gefahren und sagt, sie sei machbar. Also wird er samt Bus gechartert. Ingo und Jith, der

 

 

Jeepfahrer der Staffel, gingen davon aus, dass wir im Jeep mitfahren wuerden, und die Hunde und das Gepaeck im Bus. Wir wollen aber mit den Hunden mitfahren, Ingo meint, naja wir koennen ja abwechseln und als Jith das hoert, traut er seinen Ohren nicht.... Ingo hat uns ja schon gewarnt, dass die Piste schrecklich waere und das er schon Leute im Jeep gehabt hat, die sich vor Angst bald in die Hosen gemacht haben oder sogar ausgestiegen sind und zu Fuss weiter gingen. (Anmerkung, der Weg fuehrt rauf zum Begnas See und von dann weiter ueber eine Huegelkette, immer in Serpentinen, und das ist eigentlich der Originalanfang des Annapurna-Circuit)
Der Weg dauert zu Fuss etwa 5-7 Stunden, da divergieren die Angaben der Einheimischen und der Tourbeschreibungen. Das erste Stueck ist noch asphaltiert, aber die Strasse wird immer schmaler. Schliesslich ist Ende Gelaende, von jetzt an fahren wir offroad. Der Jeep faehrt vor und haelt Kontakt zu uns, um uns im Notfall rausziehen zu koennen und die Strecke nach Schwierigkeiten abzusuchen. Immer wenn der Jeep irgendwo vor uns stehen bleibt, kommt so eine Stelle. Jeder Rettungshundefuehrer, der oefters in Kiesgruben, Steinbruechen oder auf Truppenuebungsplaetzen trainiert, kennt solche Pisten, und ich bin selbst schon oft sowas selbst gefahren (solange das mein Auto schafft) oder in gelaendefaehigen Unimogs oder Hanomags mitgefahren. Aber noch nie ueber eine soooo weite Strecke! Der Weg ist eine echte Herausforderung fuer jeden, der offroad fahren will, naja mit dem Jeep ist es ok aber mit nem Bus - whow! Mal war es eine getrocknete Schlammpiste mit tiefen Spurrillen, eine Seite steil bergauf, teils senkrecht, auf der anderen Seite meist steil bergab, meist senkrecht, die Spur gerade so breit, dass der Bus draufpasst und am Rand noch maximal 30-40 cm Platz. In manchen Gefaellstuecken musste der Fahrer halten und in den ersten Gang runterschalten, eine Steigung schafften wir auch nur im ersten. Es ist eine Kurve hinter der anderen, oft auch Haarnadelserpentinen, mal sandiger Untergrund, mal woertlich ueber eine Steinpiste, mal ist der Rand mit Gitternetzen befestigt und mal im letzten Monsun fast weggespuelt. Wir haben haeufig ziemliche Schraeglage, in der Regel in Richtung Abgrund, und wenn es Richtung Felswand geht, dann beruehren wir sie fast. Aber unser Fahrer ist sehr geuebt und hat den Bus unter Kontrolle.
Auf weiten Strecken koennen wir nur Schrittgeschwindigkeit fahren, weil zu viele Felsbrocken auf dem Weg liegen - falsch, den Weg bilden und jede Achse und jedes Rad diese Dinger erklimmen muessen. Wir durchfahren mehrere Furten, eine schoen flach durch einen kleinen Fluss, eine durch ein ausgetrockenetes Flussbett, wo die Ufer so steil sind, dass ich kaum glauben konnte, dass das zu schaffen ist. Aber dank kurzem Radstand und Schleichtempo kommen wir ins Bett runter. Auf der Gegenseite steigt einer aus und schaut nach, ob der Bus aufsetzt. Naja, ein bisschen, wie so oft unterwegs in den tiefen Spurrillen... Der Fahrer hat seine Frau dabei, die sitzt auf dem Beifahrersitz und hilft mit, die beste Strecke zu finden.

 

 

 

 

In zwei Kurven liegt tiefer Schlamm, die erste nimmt er so, wobei wir ziemlich abdriften und mit der Antriebsachse knapp am Abgrund vorbeischlittern. Die zweite Stelle ist eine Herausforderung. Ingo sagt, dass dort viele Fahrer aufgeben wuerden. Eine lange Kurve mit tiefem Matsch... wir halten, der Jeep ist schon durch, der Fahrer steigt aus und geht vor und schaut es sich an, sein Assistent steht mit einer Grabhacke bereit. Er kommt zurueck und grinst. Ich frage ihn "Do you make it?" und er grinst nur und bedeutet mir einzusteigen. Mit Schwung und auf einer perfekten Optimallinie durchpfluegt der Bus die Schlammkurve, auf der anderen Seite hab ich dann applaudiert und Ingo sagte, das waere auch ein guter Fahrtrainer fuer die Staffel.
Kurz vor dem naechsten Dorf warnt uns ein Fussgaenger vor Gegenverkehr. Uns kommt ein Bus entgegen. Beide kommunizieren mittels Hupe. Der Bus vor uns muss zuruecksetzen und faehrt in der naechsten Kurve so weit wie moeglich an den Rand, bis ganz an einen Tuempel ran. Sind wir vorbei, setzt er zurueck und faehrt weiter.

 

 

Wir kommen durch das kleine Dorf, dort haelt der Jeep erneut. Ingo erklaert, dass die Leute uns Apfelsinen geben wuerden, wenn sie mal die Hunde sehen koennten. So wird der Zoo eroeffnet, das ganze Dorf (d.h. alle, die laufen koennen, von der Uroma bis zum Zwerg) steigt in den Bus und schaut sich die Hunde an (die Welpen sitzen in den Boxen, jeweils Aldo in einer und die Springer in einer anderen, die Boxen sind fest auf den Sitzbaenken zwischen Ruecken- und Armlehnen festgeklemmt, Laxmi habe ich vor mir auf dem Boden), die mittlerweile alles moeglich ausgekotzt haben und von oben bis unten vollgesabbert sind. Schliesslich haben alle die Exoten betrachtet, schenken uns 2 Beutel Apfelsinen und wir nehmen noch ein paar Schulkinder auf, die bis zum Dorf, wo die Strecke endet, mitfahren. Im naechsten Dorf (Strasse nicht besser) halten wir wieder an. Ein aufgeregter Ingo scheucht weitere Kinder vom Dach des Busses, dass sie im letzten Dorf erklettert hatten. Ob einer der blinden Passagiere fehlt, weiss kein Mensch. Noch ein Dorf weiter ist Endstation. Hier wird alles abgeladen, die Boxen auseinander geschraubt, und die Hunde mit unseren Wanderstoecken gegen die einheimischen Dorfhunde abgeschirmt.
Ab hier geht es zu Fuss weiter. Das Hauptgepaeck nehmen wir mit, dh. Leute von der Staffel erwarten uns und tragen es. Die Hunde werden verteilt, denn in den Doerfern muessen sie an der Leine bleiben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier wird der Reis noch traditionell von Kuehen und Bueffeln gedroschen, waehrend das in Pokhara Traktoren uebernahmen und an den Strassen der fliessende Verkehr. Und hier erwartet uns eine Haengebruecke moderner Bauart,

mit Stahlgurten abgespannt und mit einem Boden aus Stahlblechen. Man kann zwar bis auf den Fluss unten durchgucken, aber es hat auf beiden Seiten Gelaender. Die Bruecke ist ziemlich lang, ich schaetze mal 50 m, und in der Mitte vielleicht 10 m hoch. Die Hunde bis auf Helga laufen drueber ueber das schwankende, schwingende Ding, nur Helga zoegert, und da Stefanie auf so was seekrank wird (jaja, aber im Flugzeug laestern... das hier macht wiederum mir gar nichts aus) will sie lieber nicht nach unten schauen und traegt Helga die ganze Strecke.
Im naechsten Dorf kaufen wir noch eine ganze Tuete Trockenfisch als Leckerchen fuer das Hundetraining. Die Strecke ist wunderschoen, immer am Fluss, dem Middi Khola entlang. Die Hunde duerfen frei laufen, im Wasser plantschen, ausser Laxmi, denn die ist ja laeufig und man weiss ja nie. Mal geht es ueber trockenes Flussbett, mit vielen grossen Steinen und Sand, mal durch ueber 2 m hohes Gras, mal ueber schmale Pfade auf einem Wall neben einem Bewaesserungsgraben. An einer Schleuse muessen wir klettern, rauf auf das Betonbauwerk und drueben wieder hinunter. Dunston laeuft aussen rum durch den Fluss, Laxmi muss man nachdruecklich zum klettern auffordern. Aldo ist schon oben, geht aber wieder runter. Auf der anderen Seite wieder unten, erscheint oben auf 2,5 m Hoehe Aldo und setzt zum Sprung an... schon passiert. Helga greift irgendwer oben gerade noch am Kragen, die wollte naemlich auch hinterher. Unten ist zum Glueck weicher, feuchter Sand und etwas Schlamm, so dass er weich aufkommt, aber das war knapp.
Nach etwas ueber einer Stunde erscheint Shyauli Bazaar am Hang, jetzt ist es nicht mehr weit. Die Gruppe faellt etwas auseinander, ich laufe mit vorne bei den Traegern und den Hunden, Steffi hinten bei Ingo und ein paar anderen Traegern. Mittlerweile ist es heiss und wir muessen den Flusssarm zum ersten mal durchqueren. Waehrend der Wanderstock mir bislang eher hinderlich war und ich ihn nur an schwierigen Stellen eingesetzt habe, bin ich doch froh, dass in dem gut knietiefen Wasser nicht ohne Stroemung und vielen grossen Steinen am Grund eine kleine Stuetze vorhanden ist. Das Wasser ist glasklar, nicht sehr kalt und es gibt hier Unmengen von jungen Fischen. Es ist noch warm genug, um darin zu schwimmen, auch wenn das Wasser direkt aus den Gletschern des Annapurnamassivs stammt.
Schliesslich verlassen wir das Flussbett unterhalb von Shyauli und klettern rauf, durch das alte Dorf in das Hauptquartier der HRDSN. Am Eingang erwartet uns schon die Schulklasse mit Blumenkraenzen aus Tagetesblueten und einem kleinen Strauss. Ich bekomme jede Menge dieser duftenden Kraenze (Ingo mag sie nicht, weil er meint sie stinken) umgehaengt und damit die anderen auch was bekommen, winke ich dann mal dankend ab mit Hinweis auf Stefanie, die jetzt noch weiter hinten zu sehen ist. Schliesslich kommt Ingo und Stefanie und die letzten Traeger, und Steffi wird genauso wie Ingo bekranzt. Steffi hat am Ende die meisten. Als Zeichen, dass wir angekommen sind, haengen wir die Kraenze an einem der Baeume hier auf. Die Staffelleute haben die Hunde mittlerweile in einen kleinen Auslauf gesperrt. Sie bekommen noch Wasser, und wir gehen runter in Mohan's Restaurant, wo uns Daggy erwartet. Erst mal was Kaltes trinken und ausruhen! Den Rest des Tages lassen wir ruhig angehen.

 

Bald nach uns trifft ein Wanderer ein, den wir in einem der Doerfer auf der Strecke getroffen hatten, der einzige Tourist seit Pokhara. Er wird zum Essen eingeladen, Brote, Marmelade, Honig, Kaese und die mitgebrachte Salami aus Deutschland. Er kommt aus Israel, ist jetzt in Rente und es ergibt sich ein interessantes Gespraech. Wir packen unsere Sachen aus und Daggy macht mit uns eine Sightseeing Tour durch das parkartig angelegte Gelaende, mit Schule, Hospital, Gaestehaeusern, Bording Haus fuer die Schueler, Schulkantine, einem riesigen Gemuesegarten, unter Zimt-, Litschi-, Mango-, Zitronen-, Orangen- und Tigerbalmbaeumen entlang, vorbei an Bananenstauden und Bambushainen. Viele der Pflanzen hier kennen wir nur als Topfpflanzen, die Sansiverie, der Christusdorn oder die Weihnachtssterne (die hier Buschgroesse erreichen). Grillen zirpen und pfeifen, Voegel singen. Es geht treppauf und treppab und an Fischteichen, Kaninchenzucht, Entengehege mit Teich und einem grossen Gehege mit Truthuehnern vorbei (der Hahn heisst Oskar). Runter zum Fluss, den Fluss entlang, ueber zwei Seitenarme, um einen Huegel herum, hinten ueber einen schmalen Pfad wieder rauf. Wie schoen, hier gibts keine Brennesseln! Also kein Problem mit der kurzen Hose. Oben ist ein kleiner Tempel mit schoenem Blick ueber Reisfeldterrassen. Hier wird fuer gute Ernten gebetet.
Wieder zurueck ins Headquarter. Jetzt sind auch wir muede und legen in unserem Gaestezimmer erst mal die dreckigen Fuesse hoch. Nachmittags, waehrend ich mit Ingo zusammen den Seesack mit diversen Mitbringseln (viele Buecher zum Hundetraining und fuer Tiermedizin, sowie fuer das Spurenlesen, gekoernte Bruehe, Gemuese und Kraeutersamen, Hundezubehoer, chirurgisches Nahtmaterial usw. ) auspacke und sich der Israeli zu uns gesellt, geht Stefanie noch mal mit den Hunden an den Fluss. Begleitet wird sie von einer Horde Kinder. Sie geht in zwei Etappen, jeweils die Springer und die Schaeferhunde zusammen. Laxmi ist an der Leine, und die Hunde laufen mit den Kindern mit. Eins wirft irgendwann einen Stein in den reissenden Hauptarm des Middim Khola (mittlerer Fluss heisst das, da er genau die geographische Mitte Nepals durchschneidet und Shyauli Bazaar ist der geographische Mittelpunkt des Landes). Aldo hinterher und wird sofort abgetrieben. Er kann sich weiter unten gerade mal an einen Felsen retten und schafft es ans Ufer. Das war wieder mal knapp... er hat offenbar Kamikazeeigenschaften, von denen wir noch nichts wussten! Die Hunde kommen mit aufs Zimmer, die Matratze des dritten Betts klappen wir hoch, ein Teppich kommt auf das Holzbett und Laxmi laesst sich dort nieder. Auf ihre eigenen Decken muessen die Hunde noch etwas verzichten, denn die sind gut bewacht mit drei Boxen und der Medikamentenkiste im Dorf an der Bruecke geblieben, wir hatten nicht ausreichend Traeger dabei. Die Springer kommen zusammen in die eine grosse Box und Aldo bekommt meinen Seesack, den ich mit geknuelltem Zeitungspapier fuelle, als Deckchen und er wird am Bettbein angebunden. Er nimmt das Ding sofort an und schlaeft die ganze Nacht darauf. Um sieben Uhr abends gibt es hier Essen, die Nepali essen nur 2x am Tag, einmal so gegen 11h und dann abends. Das schadet meiner Figur nicht wirklich :) . Es gibt Kartoffelbrei mit Zwiebeln und einem spinatartigem Gemuese untereinander, dazu Rote Bete und Leberkaes! Kann man hier kaufen, ebenso wie Fischwuerstchen, alles made in Nepal von einer Deutschen Unternehmerin. Sehr lecker! So gegen 21 h gehen wir ins Bett, um nach Mitternacht durch die Unruhe wieder aufzuwachen. Sie muessen noch mal raus, die innere Uhr stellt sich nicht so schnell um. Es ist immer noch warm draussen.

Mittwoch, der 19.11.08

Heute schlafen wir aus, es ist nach 8h, als wir aufstehen. Da wir noch auf Krishna, der aufgehalten wurde, warten muessen (er ist einer der Hundefuehrer und soll der Juniorstaffelfuehrer werden. Gleichzeitig ist er Wushutrainer, das ist das nepalesische Kung Fu, und damit werden die neuen Hundefuehrer fit gemacht... jeden Tag... aber das ist bei den steilen Bergen hier auch noetig, absolute Koerperbeherrschung und Ausdauer. Die Seniorhundefuehrer sind nicht mehr so gelenkig und bekommen stattdessen Tai Chi. Sollten wir vielleicht auch mal in Deutschland einfuehren, wir koennen Krishna ja mal ausleihen - Staffelsport....)
Wir haben morgens noch eine Besprechung mit Ingo, wie wir weiter verfahren werden und wo wir gegenseitig noch Probleme sehen. Solche Aussprachen sind wichtig, um die Erwartungshaltungen an unser gemeinsames Vorhaben abzustimmen. So vergeht der Vormittag mit Besprechungen, dem Kennenlernen weiterer Squadmitglieder (ich kann die Namen immer noch nicht) und dem Waschen unserer Schmutzwaesche, die rund um das Toilettenhaus aufgehaengt ist.

 

Wir wollen dann eigentlich mit den Hunden und Daggy runter an den Fluss, aber dann wird Laxmi von einer fiesen roten Ameise gebissen (dieses Viehzeug gibt es offensichtlich ueberall auf der Welt). Das brennt ziemlich und sie ist staendig am Lecken, so dass wir den Spaziergang dann etwas verschieben, bis es wieder aufhoert. Das macht fuer die Welpen aber nichts, denn sie duerfen hier auf dem ganzen Gelaende frei rumlaufen und das nutzen sie auch aus. Irgendwann sind sie verschwunden. Hin und wieder fetzen einer oder zwei an uns vorbei und verschwinden hinter dem naechsten Gebaeude. Laengere Zeit ist Dunston weg, waehrend die anderen ihr Fressen kriegen. Er taucht nicht auf... dabei frisst er von allen am langsamsten und laesst immer einen Rest uebrig (den er dann eifersuechtig verteidigt). Wir fuettern ihn in der Box, damit er wenigstens von den anderen Hunden nicht gestoert wird. Aber jetzt kommt er noch nicht mal. Ich mache mich mit Futternapf auf die Suche. Er steckt in einer Traube von Schulkindern, die gerade Pause haben. Sie kennen alle Hundenamen schon auswendig und koennen auch Helga und Dunston problemlos unterscheiden. Da er lieber auf dem Schulhof bleiben will, druecke ich den Futternapf einfach jemandem in die Hand und so bekommt er Brocken fuer Brocken wenigstens seine ganze Ration von vielen Kinderhaenden reingefuettert!

 

 

Die Hunde haben hier wirklich Spass auf dem Gelaende, sie toben rum und kennen sich bestens aus, auch die Muell - und Komposthaufen haben sie schon entdeckt. Gegen Mittag gehen wir auf den Fussbalplatz und arbeiten mit den Hunden. Nach und nach stellen sich auch Zuschauer ein. Oberhalb vom Platz sind im Hang ein paar Terrassen, bewachsen mit Gruenzeug, die als Tribuene dienen. Unten im eingezaeunten Platz darf nun auch Laxmi laufen, die bereits irgendwelche Rueden bis an den Dorfeingang gelockt hat. Wir spielen Ball mit ihr, d.h. sie soll vor allem etwas Bewegung bekommen und lernen, dass sie nicht in Haende beissen darf, wenn man ihren Ball festhaelt. Sie lernt rasch, aber man kann sich noch nicht darauf verlassen. Laxmi ist ein echter Balljunkie und vergisst die Welt um sich herum, wenn sie einen Ball sieht. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Beifussgehen, das sie auch noch nicht beherrscht. Sie kann ziehen wie ein Ochse. Ein Halti waere jetzt nicht schlecht, aber so laufe ich mit ihr etliche Kurven und Wendungen. Es ist das erste mal, dass ich mit Laxmi arbeite und ich muss wissen, was ich den Hundefuehrern morgen ueber sie erzaehlen will. Wir ueben mit allen Hunden etwas Gehorsam und zum Schluss gibt es noch eine kleine Such- bzw. Anzeigeaufgabe. Die Springer bekommen eine angereizte Freiverweisanzeige, jeweils mit hochhuepfen (nicht anspringen) als Anzeige beim Hundefuehrer und mit einem Refind ohne Leine (das geht hier im Dschungel wirklich nicht). Aldo koennte ein Verbeller werden, er bellt, wenn er angebunden ist und was haben will, aber das Kommando ist noch nicht etabliert. So machen wir auch einen Rueckverweis mit ihm, das macht ihm auch Spass und spaeter wird man sehen. Die Anzeigen hier sind eh vermischt und beruhen auf dem "natural alert", also dem natuerlichen Verhalten der Hunde, mit dem sie ihrem Hundefuehrer mitteilen wollen, dass sie was entdeckt haben. Zum Schluss ist Laxmi dran, Steffi gibt mir den Ball, sie geht mit ihr runter vom Platz und um die Ecke, waehrend ich mich in der letzten Ecke der ersten Tribuene hinhocke. Sie sucht kurz, findet meine Faehrte, folgt ihr und sieht mich dann. Vor mir muss sie erst abliegen und bekommt dann ihren Ball. Eine Anzeige kann sie auch noch nicht, in Holland wurde mit ihr ausschliesslich gesucht, auch grosse Strecken, und am Opfer sofort belohnt. Es steckt noch viel Arbeit in den Hunden.
Spaeter sitzen wir zusammen und unterhalten uns. Irgendwas an meinem Fuss ist klebrig. Ups... alles voller Blut. Ich habe mir einen der beruechtigten nepalesischen Blutegel im Gruenzeug auf der Tribuene geholt, der ist abgefallen und das Hirudoid tut seine Wirkung. Gut gegen Krampfadern! Steffi holt die Hunde und auch Laxmi blutet zwischen den Zehen und hatte einen Egel. Es gibt hier normal um diese Jahreszeit keine, aber wir haben noch welche entdeckt (oder sie uns!). Die Hundeviecher fressen echt alles. Als spaeter Krishna eintrifft, und wir mit den Jungs runter gehen an den Fluss, sind alle unterwegs auf der Suche nach eklig stinkendem Unrat. Alte Knochen, tote Fische, Kot diverser vier/- und zweibeiniger Saeuger... am schlimmsten ist Dunston, der laeuft ewig weit im Flussbett rum, egal wo der Rest der Meute ist und frisst wieder was. Gut fuer das Abwehrsystem mag es ja sein, aber pfuibah... mich wundert jedenfalls nicht mehr, wenn er schon satt ist und sein Futter nicht mehr frisst. So, jetzt warten alle auf mich mit dem Abendessen. Ingo wird die Mail morgen rausschicken. Bis dann! Daniela.

 

 

Donnerstag, der 20.11.08

Heute frueh noch vor unserem Aufstehen hatte sich die Squad schon versammelt und fuer sich besprochen, wie es mit den Hunden weiter gehen soll. Unsere Absprache im Vorfeld war nicht wirklich perfekt (sofern man die organisatorischen Dinge ueberhaupt auf so weite Distanzen perfekt planen kann) und so haben wir in bester Absicht , Nepali wie Deutsche, erst mal aneinander vorbei geredet, auch wenn wir alle das selbe Ziel haben. Die Nepali sind ausserdem viel zu hoeflich, um offen ihre Meinung zu sagen, schon mal gar nicht gegenueber Gaesten. Ingo musste also vermitteln. Letztlich ging es darum, dass wir uns und die Hunde absichern wollten, dass es ihnen hier auf Dauer wirklich gut geht, dass sie gut gepflegt werden und das sie Liebe, Auslauf und Arbeit bekommen. Andersherum wollen die Nepali von uns Auslaendern nicht gegaengelt werden, sie halten seit 20 Jahren Hunde und wissen selbst, wie man mit ihnen umgeht und wie man sie zu guten Rettungshunden ausbildet. Sogar der Dorfschamane wurde zur Beratung hinzugezogen, und die Nepali kamen dann auf die gute Idee, und haben einen Vertrag formuliert. Ganz unabhaengig von den Gespraechen, die Steffi und ich zu diesem Thema unter vier Augen hatten, garantieren sie in diesem Vertrag, ein Hundeleben lang alle Hunde wie Familienmitglieder zu behandeln, sie nach hinduistisch/buddhistischer Auffassung als Mitgeschoepfe zu respektieren und sie nach bestem Koennen, auf nepalesische Weise, zu halten und zu behandeln. Besser haetten wir es sicherlich nicht formulieren koennen. Sie werden uns ueber die Ausbildungsfortschritte regelmaessig Bericht erstatten und uns mit Fotos usw. versorgen.


Mit diesem Vertrag geht somit die volle Verantwortung fuer unsere Schuetzlinge offiziell auf die neuen Hundefuehrer und die HRDSN ueber, und somit schlafen ab heute alle Hunde in Daggy's Zimmer und die neuen Hundefuehrer werden ab sofort mit den Hunden spazieren gehen, sie fuettern und pflegen und mit ihnen arbeiten. Wir werden den Rest der Woche damit verbringen, sie dabei zu begleiten und ihnen bei der Arbeit mit den Hunden (und beim KungFu-Training) ueber die Schulter zu schauen. Ausserdem bekommt die Staffel das tiermedizinische Training und die Einweisung auf die Medikation, sprich die Anwendung der mitgebrachten Medikamente und der im Hospital vorhandenen.

Die Staffel hat die Hunde folgendermassen verteilt: Daggy wird Dunston bekommen (das hatten wir uns schon gedacht, sie passen auch sehr gut zusammen), Krishna wird Helga fuehren, Aldo wird von Laxmon gefuehrt und der einzige Senior in der neuen Juniorsquad, der bisherige Staffelfuehrer Nagendra, wird Laxmi fuehren, da sie als erwachsene und hochtriebige Huendin einen erfahrenen Hundefuehrer braucht. Kalpana hatte vor einiger Zeit endlich eine gute Stelle als Krankenschwester gefunden, die ihr viel Spass macht und die sie nicht wieder kuendigen moechte; sie macht daher nicht in der Staffel mit.
Den Hunden ist das momentan eher egal, sie verbringen den Tag damit, einen alten Rinderknochen von A nach B zu schleppen und sich darum zu balgen, wenn sie nicht gerade wieder irgendwo auf dem weitlaeufigen Gelaende unterwegs sind oder rumliegen und doesen. Momentan wird gerade die solarbeheizte Dusche repariert (momentan ist das Wasser mehr "mittelwarm"), und neben unserem Fruestueckstisch auf einer der Terrassen

haben wir eine RIESIGE schwarzgelbe Spinne entdeckt. Laut Daggy ist sie voellig harmlos, von der Spannweite aber etwa so gross wie eine Taschentuchpackung (Fotos folgen).  So, Ingo kommt und wird das Schlepptop jetzt gleich zum hoechsten Punkt hier bringen, wo es Handyempfang hat und diese Mail abschicken. Gestern war es dafuer schon zu dunkel.

Daniela

Freitag, der 21.11.08

Die Nacht zum Freitag haben die Hunde im Zimmer von Daggy geschlafen, und sogar Laxmi lag in ihrer Box (wo sie nicht wirklich gerne rein ging, sie war ja vor dem Flug nicht auf die Box trainiert worden). Morgens hoerten wir die Hunde bellen, als die Jungs mit ihnen Gassi gehen wollten. Ich hab spaeter gefragt, ob alles gut gegangen ist, und tatsaechlich hat es wohl eine Pfuetze gegeben. Tja, wenn Helga wach ist, dann ist das auch ihre Blase...
Freitag morgen war fuer uns ungewoehnlich ruhig, da wir weder Hunde im Zimmer hatten, noch uns um Fuetterung, Gassi gehen usw. kuemmern mussten. Das ist schon eine ganz schoene Umstellung. Nach den letzten 4 stressigen Monaten ist es auch nicht wirklich einfach, auf Urlaubsmodus umzuschalten. Zum Fruehstueck gibts Kaffee, von Daggy selbstgebackenes Weissbrot, Yakkaese, Yak (oder war es Bueffel?)butter und Himalayahonig. Leckerlecker. Wirklich schade, dass tierische Lebensmittel nicht in die EU eingefuehrt werden duerfen.
Der Morgen ist lange neblig und auch am Vormittag ist es eher kuehl und diesig, wir haben den ganzen Tag unsere Fleecejacken an. Die Solarheizanlage fuer die Duschen ist Leck, irgendein Depp hatte, waehrend wir in Pokhara waren, einen Stein gegen den Tank geworfen. Jetzt warten wir auf die Leute, die eine Gasflasche und Schweissmaterial sowie ein Ersatzrohr kaufen sind. Sie muessen heute den Fluss raufkommen. Tun sie auch, die Gasflasche an eine Bambusstange gebunden und mit vier Mann getragen. Die Reparatur dauert aber... immer wieder leckt der Tank. So langsam lechzen wir alle nach einer warmen Dusche und das Wasser, was aus der Leitung kommt, ist mittelkalt. Und zum kalt Duschen ist es heute nicht warm und sonnig genug.
Die Hunde waren schon mit den Jungs unten am Fluss spazieren, Laxmi nach wie vor an der Leine, so langsam kommt ihre Hitze in die Stehtage und sie soll sich nicht in den Dschungel schlagen, um einen Schakal zu suchen oder flussabwaerts mit einem Dorfhund anbandeln. Trotzdem ist sie patschnass, als sie zurueckkommen, war also schwimmen. Wie die das gemacht haben, keine Ahnung, aber ich habe ja nach wie vor den Verdacht, dass sie wieder wie ein Ochse gezogen hat und einer von den Jungs mit schwimmen gegangen wurde...
Um 11 Uhr sind wir mit Paddam verabredet, dem Leiter des Hospitals. Wir machen eine Fuehrung durch das Hospital. Seit der Regenzeit hat es keine stationaeren Patienten gegeben, aber jeden Morgen kommen Leute aus der Umgebung zur Behandlung. Es gibt einen Zahnarztraum, einen Behandlungsraum, die Apotheke, einen Quarantaeneraum, einen Geburtsraum und einen Krankensaal, sowie die notwendigen Nebenraeume fuer die Nachtschwester, sanitaere Anlagen usw. Das Wartezimmer ist ein Pavillon im Freien. Der OP ist nicht mehr eingerichtet, seit in Health Points, die von Health workern und Krankenschwestern betrieben werden, keine Operationen mehr durchgefuehrt werden duerfen, wenn kein Arzt dabei ist. Sowohl Health worker als auch Schwestern sind aber in der Lage, Wundnaehte zu machen usw.

 

Das Hospital hat eine eigene Krankenkasse, fuer umgerechnet 2,50 Euro im Jahr bekommen alle (derzeit ca. 5000) Mitglieder, dh. registrierte Patienten, kostenlose Behandlung. Die Ausstattung ist fuer deutsche Verhaeltnisse mager, aber fuer den Zweck sicherlich ausreichend. Am spannendsten fuer mich war das Lager und die Apotheke. Unser Besuch im Hospital stand natuerlich auch unter dem Vorzeichen, was davon fuer Hunde verwendbar ist und was nicht. Sie haben hier diverse Antibiotika, insbesondere Metronidazol, PVP-Salben, diverse Schmerzmittel, Infusionsloesungen, Lokalanaesthetika und noch diverse andere nuetzliche Dinge. Was komplett fehlt, ist eine Notfallausstattung z.B. mit Cortison, Adrenalin, Atropin, Kreislaufmedikamenten und ueberhaupt Narkotika. Wenn hier mal jemand investieren moechte, ich glaube, ein digitales Roentgengeraet waere Gold wert (normale Roentgenanlagen sind nicht erlaubt, da es keine Entsorgungsmoeglichkeiten fuer Entwickler und Fixierer gibt, und die Roentgenfilme wuerden in der Monsunzeit ziemlich schnell weggammeln). Ich koennte mir auch vorstellen, dass hier ein Inhalationsnarkosegeraet eine tolle Sache waere fuer Eingriffe, wenn freiwillige Aerzte hier Dienst tun.
Wir werden am Sonntag den ersten Teil des Tiermedizintrainings machen. Dafuer haben wir die ersten Vorbereitungen getroffen, aus dem vorhandenen Material das Noetige zusammengesucht und Stichpunkte fuer den Kurs gemacht, und die dazu benoetigten Vokabeln aus dem Woerterbuch rausgesucht.
Im Laufe des Tages sind wir dann zur Hundeanlage oben auf dem Berg raufgestiegen. Man muss durch einen Bauernhof durch

(Ziegen, Kuehe, Huehner und suesse Eintagskueken und unsere erste Katze in Nepal) und kommt dann an einen ziemlich grossen Hundeauslauf, der mit kurzem Gras und allerlei bluehenden Bueschen bewachsen ist. Dort leben die beiden Schaeferhuendinnen Sarah und Susi. Ingo hatte uns ja gewarnt, dass mit Sarah nicht gut Kirschen essen sei. Ihr Hundefuehrer Nagendra war aber mit dabei und beide benahmen sich absolut freundlich und nett, Susi vielleicht etwas unsicher. Wir sind durch den Auslauf runter gegangen zu den Hundehauesern, ich glaube es waren etwa 6 Stueck, kuehl und geraeumig und alles ziemlich sauber. Die beiden Huendinnen konnten uns gar nicht genug beschnuppern, wer weiss, wann sie zuletzt fremde Hunde gerochen haben. Die "boese" Sarah leckte uns die Haende und kam aus dem Wedeln gar nicht mehr raus. Soviel dazu...
Freitag ist der Schlachttag in Nepal, und abends gab es Ziegengeschnetzeltes (und fuer Steffi Gemuesegeschnetzeltes) mit mittelscharfer Sosse und Reis. Abends sassen wir noch im Computerzimmer, einem kleinen Pavillon ueber dem Middim Khola, und haben versucht, unsere Emails zu lesen, so lange es noch ruhig war im nepalesischen Netz. Um die Uhrzeit haben wohl alle beim Essen gesessen, so dass wir endlich wieder an Ingos und meine Mails kamen, als Steffi dann dran war, war das Netz wieder ueberlastet. Heute noch mal versuchen.
Abends hat es dann auch den ersten Regenschauer gegeben, wobei wir aber am Rand der grossen dunklen Wolke im Westen waren und nicht viel runter kam, ausser einigen heftigen und kalten Windboen.
Nachts war es dann wieder warm. Ich musste gegen Mitternacht noch mal zur Toilette. Wir haben hier ein extra-Haeuschen mit einem europaeischen Klo und ein Haus mit 4 nepalesischen Hockklos incl. Dusche. Hinter dem Euro-Klo ist ein Hang, der mit 2 Mauern terrassiert ist. Ich denke also an nichts Boeses, als hinter mir irgendein Viech mit 2 Saetzen die Boeschung raufspringt. Das war schon was ziemlich Grosses. Ok, kaum hatte ich Luft geholt, kam noch so ein Tier, ebenfalls 2 Spruenge und dann war alles wieder ruhig. Ich dachte gleich an Leoparden, die es hier auch gibt und das war leicht unheimlich, aus dem Klohaus raus und nur mit einer Kopflampe und einer Papierrolle bewaffnet rueber zu unserer Unterkunft zu gehen. Am naechsten Morgen habe ich mir die Boeschung angeschaut und Ingo davon erzaehlt. Steffi meinte, es haetten ja auch Schakale sein koennen, die von Laxmi angelockt wurden, aber die Boeschung war zu hoch und Ingo meinte, das kommt oefter vor, dass die ansaessigen 2 Jungleoparden nachts das Truthahngehege unterhalb der Toiletten besuchten. Wer sich vor wem mehr erschrocken hat, weiss ich nicht.

Samstag, der 22.11.08

Heute ist es endlich soweit. Krishna hat alle Dorfkinder zusammengetrommelt und das erste Training angesetzt. Um 8.00 Uhr soll es losgehen. Eigentlich ist ja der Samstag hier unser Sonntag, aber gerade das nutzen wir aus, weil die Kinder ja keine Schule haben. Wieder nichts mit Ausschlafen, um 7.00Uhr klingelt der Wecker, puenktlich um 8.00 Uhr zieht eine Karawane aus Hunden,Hundefuehrern,Kindern und uns selbst am Fluss entlang in die Berge. Lange nicht mehr so viele Treppen gelaufen!
Langsam wird der Bewuchs dichter und die Jungs beschliessen, den ersten Versuch mit den Hunden zu wagen. Wir hatten vorher verabredet, erst einmal nur als Beobachterinnen zu fungieren und einfach zuzuschauen, wie hier mit den Hunden gearbeitet wird. Nach kurzer Einweisung verschwinden die Dorfkinder blitzartig in alle Richtungen. Helga und Dunston werden bereits aufgeregt, Aldo hat es noch nicht ganz begriffen, da wird die ganze Meute zusammen von der Leine gelassen und los gehts...Die Hundefuehrer ueber Stock und Stein hinter der Meute her, Daniela und ich etwas langsamer. Aldo findet ein Knaeuel Kinder, zuerst Quietschen und Lachen aus dem Dickicht, da sind sie....
Danach haelt er seine Aufgabe fuer erledigt und kommt zu uns zurueck. Helga und Dunston haben eine Spur aufgenommen und zeigen die Witterung weiterer Kinder an. Krishna ist stolz, er hat es erkannt!
Nachdem alle Kinder wiedergefunden sind, gehen wir zurueck zum Ausgangspunkt und machen eine kurze Zwischenbilanz. Wir stellen fest, dass die Hunde, vor allem Aldo doch sehr von unserer Anwesenheit abgelenkt werden, deshalb gehen wir beim naechsten Durchgang lieber nicht mit. Klappt ja auch ohne uns! Auch diesmal findet Aldo wieder als Erster und kommt dann zurueck um sich erschoepft neben unseren Fuessen auszuruhen. Die Springerbande ist da haerter im Nehmen, sie kommen vergnuegt mit den Kindern den Hang hinunter, ein kurzer Schluck Wasser und dann koennten sie wieder.
Dunston hat sich inzwischen vom Weichei zum echten Jagdhund entwickelt. Er ist der Eigenstaendigste und Unternehmungslustigste von allen. Er liebt es zwischendurch Ausfluege zu den Kindern zu unternehmen, findet ueberall Knochen, die er auch gleich wieder ueberall verbuddelt. Ein bisschen zugenommen hat er auch schon, das Schicksal wollte es ,dass er von Daggy, dem Koch ausgesucht wurde.
Nachdem Daniela sich heute morgen endlich mal die Haare gewaschen und geduscht hat, mit kaltem Wasser natuerlich, laueft die Solaranlage endlich wieder. Bin soeben in deren Genuss gekommen und kann Euch sagen, dass die Zivilisation nicht nur Nachteile hat!
Das Wetter ist heute wieder genial, blauer Himmel, Sonne, ca. 26 Grad, sehr angenehm.
Heute nachmittag haben wir einen kleinen Ausflug zum Fluss unternommen, um die Flora und Fauna hier naeher kennen zu lernen. Wir haben alles fotografiert, was wir finden konnten, nur die Heuschrecken mit den blauen Fluegeln waren einfach zu schnell. Einige Insekten konnte man nur hören. Hier ist "Radio Nepal" !

 

 

Steffi

Sonntag, der 23.11.08:

Nachdem wir am Samstag abends leckere Momos bekommen haben (das sind ziemlich gross mutierte Tortellini mit Kaese/Gemuesefuellung, ausnahmsweise, normal kommt da Fleisch rein, aber das war eine Spezialerfindung fuer Stefanie) mit einer Suppe mit undefinierbaren Ingredientien zum Eintunken, gab es heute das naechste leckere Essen. Und das Essen fuer morgen sitzt schon in der Hundehuette. Aber von vorne....

Heute frueh gleich nach dem Fruehstueck hatte ich die Ehre, der versammelten Juniorsquad und dem Health Worker Paddam eine erste Unterrichtseinheit in Tiermedizin zu geben. Steffi hat die Highlights fotografisch dokumentiert. Nach 1,5 Stunden haben wir dann erst mal aufgehoert, die Konzentration liess genauso schnell nach wie bei den Europaeern zu Hause. Allerdings muss ich sagen, dass alle die Fertigkeiten wie Schnauzenband anlegen oder Puls fuehlen viel schneller drauf hatten, als die meisten Leute in meinen Kursen daheim! (Das beruehmte Aufleuchten im Gesicht, sobald der Puls entdeckt ist, scheint aber international identisch zu sein.)
Danach war erst mal Pause angesagt, wir lasen und gingen auf dem Gelaende rum, um Fotos zu machen. Leider entwischte mir dabei ein Mungo, ein absolut niedliches Tier, und auch nur deshalb, weil ich noch Makro eingestellt hatte. Aber beim naechsten Mal. Leopardenspuren waren nicht zu finden gewesen, ich lass mich diese Nacht ueberraschen.
Mittags gab es Spaghetti mit einer leckeren Gemuesesosse, Daggy kocht wirklich ausgezeichnet und seitdem er Dunston uebernommen hat, gibt es auch Mittagessen! Ansonsten werden die Hunde auch grosszuegig mit Yakkaese und frischgebackenem Brot versorgt.
Die Hunde leben hier sowieso wie die kleinen Buddhas. Entweder sie lungern in der Kueche rum, sie doesen auf der Terrasse vor der Kueche, oder sie toben durch die Gegend. Das Gelaende haben sie sowieso erobert, sollte man einen Hund vermissen, muss man nur dem Gelaechter der Kinder nachgehen.
Nach dem Essen sind wir mit Daggy, Krishna und den beiden Springern eine neue Strecke spazieren gegangen. Diesmal gab es wieder einige Kletterstellen auf den Trampelpfaden, die uns auf einen Huegel oberhalb von Shyauli Bazaar ,

durch einen typischen Bauernhof mit Zicklein, Bueffel und Kaelbchen und ueber abgeerntete Reisfelder dann hinunter zum Middim Khola fuehrte. Der Weg war teilweise recht steil und unterwegs hatten wir auch das zweifelhafte Vergnuegen einer sogenannten Holzbruecke (die hatte auch ein Gelaender auf der einen Seite, aber das haette man auch weglassen koennen, das war naemlich lose). Stefanie war ganz tapfer und hat sich beim Ueberqueren fast nichts anmerken lassen! (Sie wusste aber auch nicht, dass Krishna mich warnte, dort besser nur einzeln rueber zu gehen)...


Am Fluss durften die Hunde an einer tiefen Kehrwasserstelle unterhalb einer Felswand schwimmen, dort ist das Wasser auch tief genug, dass Laxmi schwimmen kann. Wie ueberall im Fluss wimmelte es auch hier in jedem noch so kleinen Rinnsal oder Tuempel vor Fischen.
Nach dem Spaziergang (das Wetter war prima, wieder deutlich ueber 25 Grad und Sonne) machten wir Siesta, und oben wurde unser Abendessen gefangen. Mit Netzen wurden diverse Fische, fuer uns Tilapia-Barsche, aus dem Fischteich geholt, ausgenommen und abends frittiert. Dazu gemischtes Gemuese, angeblich amoebenfreier gruener Salat (schaun mer mal) und Kartoffelbrei. Leckerlecker.
Bis das Essen fertig war, lief noch ein spannendes Fussballspiel: die Kinder mit oder gegen Aldo. So nach und nach stellten sich zahlreiche Zuschauer auf den Raengen ein, vermutlich auch als Festmahl fuer die Blutegel.... Aldo hat schliesslich gewonnen und den Ball erbeutet.

Morgen ist ein grosser Tag! Ganz Shyauli Bazaar ist aus dem Haeuschen, denn der groesste Sponsor des Projektes, Fritz von Philipp trifft ein und zwar per Hubschrauber! Ein Festtag fuer die Leute und deswegen ist das morgige Mahl bereits in der Hundehuette eingesperrt. Der alte Shamane brachte heute mittag 2 kapitale Haehne, die morgen den entscheidenenden Inhalt des angekuendigten Huehnercurrys liefern werden.
Eine besondere nepalesische Sitte ist naemlich, dass nur maennliche Tiere gegessen werden, find ich gar nicht schlecht...

 

 


Neben dem Essen laufen auch andere Vorbereitungen fuer den Besuch auf Hochtouren. Die Kinder faedeln Tagetesblueten zu langen Kraenzen auf, das Restaurant, die sogenannte Bavaria Lodge, wird mit zwei kapitalen bayrischen Flaggen verschoenert , der Wolpertinger auf dem Regal abgestaubt und den Eingang ziert jetzt eine, zugegeben ziemlich mitgenommene, FC Bayern Fahne. Aber die von Philipps sind ja echte Bayern......

 

 


Am meisten freuen sich natuerlich alle auf den Hubschrauber. Heute morgen kam extra eine alte Omi zu Ingo, um sich zu erkundigen, ob das wirklich stimmen wuerde.
Ingo hat gleich angeordnet, dass die Hunde bei der Landung , in gebuehrender Entfernung natuerlich, anwesend sein sollen, damit sie sich fruehzeitig an den Maschinenlaerm gewoehnen koennen. Wenn der Pilot nett ist, duerfen sie vielleicht ja auch mal ein und aussteigen. Wir sind schon sehr gespannt. Selbstverstaendlich wird auch dieses Ereignis fotografisch festgehalten.

Daniela

Montag, der 24.11.08

Der grosse Tag ist gekommen. Die letzten Vorbereitungen fuer die Ankunft des Sponsorenehepaares werden getroffen. Das Restaurant wird noch einmal auf Hochglanz poliert und endlich funktioniert auch die Solaranlage, sodass ich noch schnell duschen kann, bevor es soweit ist.
Der Hubschrauber wird gegen halb elf erwartet, doch will sich die Sonne nicht so recht blicken lassen und der Himmel ist bewoelkt. Wahrschenlich Nebel in Kathmandu, sodass der Hubschrauber nicht fliegen kann.
Zwischendurch haelt Daniela ihre zweite Theoriestunde ab, diesmal ueber Untersuchungsmethoden. Wir schaffen es gerade rechtzeitg zum Lunch zurueck beim Restaurant zu sein, Ingo trinkt da schon seinen xten Kaffee in aufgeregter Erwartung. "Still mal alle, ich hoer was!", wir spitzen die Ohren, ja da in der Ferne brummt was, leider nur der Stromgenerator...
Aber dann unverkennbar, Hubschraubergeraeusche in der Ferne. Ploetzlich kommt Bewegung in die Menschen. Alles rennt zum Landeplatz.

Kinder mit wehenden Mala Kraenzen, den Blumengirlanden, die den Besuchern bei der Ankunft um den Hals gelegt werden. Vor mir rennen der Lehrer, ebenfalls mit Malakranz und Helga, die es gerade noch rechtzeitig schafft, nicht von einem Trupp Kinder ueber den Haufen gerannt zu werden. Alle streben zum hoechsten Punkt des Gelaendes, von dem aus man die beste Uebersicht hat. Daniela ist schon da, inmitten anderer neugieriger Nepalis, auch der Landeplatz ist voll von Menschen.

 

Fasziniert beobachten wir, wie der Hubschrauber gekonnt aufsetzt und nach kurzer Zeit Ingos Gaeste freigibt.
Der Empfang der von Philipps ist aeusserst herzlich, sie haben jede Menge Bonbons fuer die Kinder dabei und werden im Gegenzug so mit Malas behaengt, dass sie sicher Muehe hatten, die steile Treppe bis zum Schulhaus hinter sich zu bringen.
In einer Menschentraube gelangen die von Philipps, Joerge, ein Freund von Ingo, der die Gelegnheit nutzte, um eine Stippvisite bei seinem Patenkind zu machen und wir zum Restaurant, wo Daggy schnell eine zuenftige Brotzeit zaubert. Zufrieden bemerkt Herr von Philipp die Anwesenheit des Wolpertingers, eines einstigen Geschenkes, der zwar etwas mottenzerfressen aber sonst unverdrossen auf dem Regal ausharrt.

Da die Hunde natuerlich die Gaeste ueberschaeumend begruessten, entwickelte sich gleich ein Gespaech ueber Hunde, denn die von Philipps haben auch 4 Hunde und sind echte Hundemenschen. Frau von Philipp ist Jaegerin und hat u.a. eine bayrische Gebirgsschweisshuendin, Herr von Philipp mags etwas groesser und hat von seiner Frau im vorigen Jahr einen Neufundlaender zu Weihnachten bekommen. Da der Bruder dieses Hundes kurze Zeit spaeter den Zuechtern zurueckgegeben wurde, zog dann noch ein Neufundlaender im Hause von Philipp ein. Zusaetzlich lebt dort noch eine aeltere Golden Retriever Huendin.

Leider hatte der Hubschrauber nur ca. 1 Stunde Aufenthalt. Der ueberaus freundliche Pilot, der uns am liebsten gleich mitgenommen haette, hat erlaubt, dass die Hunde fuer ein paar Fotoaufnahmen auch mal im Cockpit sitzen durften. Waehrend die von Phili[pps zusammen mit Ingo einen Rundgang ueber das Gelaende machten, spurteten wir zusammen mit Hunden und Hundefuehrern schnell wieder zum Hubschrauber. Immer noch, oder schon wieder alles voll Nepalis, die sich die besten Plaetze zur Beobachtung des Abfluges sichern wollten.


Schnell ein paar Gruppenfotos vor dem Hubschrauber, dann innen drin. Nachdem wir nacheinander alle Hunde hineingehievt hatten, wurde noch schnell das ein oder andere Kind hinterhergeschoben, jeder wollte ein Foto! Natuerlich auch der Pilot!

Als alle Bilder im Kasten waren, hiess es fuer Joerge schon wieder Abschied nehmen, denn er flog wieder mit zurueck nach Kathmandu.
Der Hubschrauber wurde gestartet und der Schamane hatte alle Muehe die neugierige Menge aus dem Gefahrenbereich herauszutreiben.
Schliesslich erhob sich der Hubschrauber und entschwand schnell aus dem Blickfeld der winkenden Menge.


Inzwischen waren die beiden Haehne, von denen ich gestern schon berichtet hatte, zu einem (angeblich) koestlichen Huehnercurry verarbeitet worden, ich bin mir sicher, dass Daggy sein Bestes getan hat und wir sassen mit den von Philipps am Tisch zum Abendessen. Gerade noch rechtzeitig fiel Ingo ein, dass die kleinen Maedchen angeboten hatten fuer die Gaeste zu tanzen. Also wurde nach dem Lehrer geschickt, der kurze Zeit spaeter mit fast allen Kindern eintraf. Die kleineren und die Jungs wurden auf Stuehlen plaziert, 4 kleine Maedchen fuehrten einen Tanz zu nepalesischer Musik, zugegeben mit Discoeinfluss, auf. Wirklich professionell und mit ganz viel Spass haben die Maedchen ihren Tanz vorgefuehrt, ich bin mir sicher, dass sie dafuer viele Stunden geuebt haben.
Nachdem das erste Eis gebrochen war, wollten ploetzlich alle irgendwas vorfuehren, so kamen wir noch in den Genuss einer Gruppe tanzender Jungen, die aber ihre Darbietung eher unter das Motto "Hauptsache laut" gestellt hatten und zum Tanz ein Volkslied groelten. Dann zeigten die Maedchen noch einmal ihre Talente und neben diversen Einzelvorfuehrungen und Gruppentaenzen wollten dann auch die ganz Kleinen nicht abseits stehen und sangen noch ein paar Volkslieder. Es hat allen so viel Spass gemacht, dass Ingo uns schliesslich ans Essen erinnern musste.

Ein wirklich netter Abend mit Geschichten ueber Hunde und andere Tiere ging fuer unsere Verhaeltnisse spaet, gegen 21.00 Uhr zu Ende.

Steffi

Dienstag, der 25.11.08

Der Abschied von den Hunden und von Shyauli Bazaar rueckt unaufhaltsam naeher. Die Rucksaecke sind bereits weitestgehend gepackt.

Beim Fruehstueck, das diesmal etwas laenger ausfaellt, verabschieden wir uns von Fritz und Sybille, die zu Fuss nach Besisahar aufbrechen und dort von Jith mit dem Jeep abgeholt werden. Jith wird in Pokhara unsere Flugtickets nach Kathmandu anzahlen, denn wir wollen keine Zeit mit einer langen Rueckfahrt (so spannend sie auch sein mag) vergeuden - der Flug von Pokhara nach KTM dauert nur etwa 30 Minuten, so dass wir dann noch etwas Zeit in KTM verbringen koennen.
Die Jungs waren schon frueh mit den Hunden am Fluss, und die Standhitze von Laxmi ist offensichtlich jetzt auch vorbei. Ab dem Wochenende darf sie wieder ohne Leine laufen.
Um 8 Uhr beginnt der letzte Teil unseres Veterinaermedizin-for-runnaways-Kurses. Die Teilnehmer sind hochinteressiert und mit meinem Englisch klappt es mittlerweile halbwegs, auch wenn ich manchmal mittendrin die eine oder andere deutsche Vokabel einfliessen lasse. Beliebtestes Mischwort ist WORMEYES (Wurmeier waren gemeint). Paddam kennt alle moeglichen lateinischen Fachbegriffe, wenn ich auf englisch nicht mehr weiter weiss, dann probiere ich einfach die lateinische Version in unterschiedlichen Aussprachemoeglichkeiten aus und Paddam weiss es dann irgendwann und uebersetzt auf Nepali. Wir ueberziehen unsere Zeit, um 10.00 geht der Schulunterricht los und wir muessen eigentlich den Klassenraum raeumen. Aber Ingo hat seinen Laptop mitgebracht und wir schauen uns Fotos von Hundeverletzungen an und das ist so spannend, dass schliesslich neben den Staffelmitgliedern auch mindestens 2 Dutzend Kinder zuschauen.
Helga kuschelt mit Daggy

Kuscheln mit Daggy

Den angebrochenen Tag verbringen wir mit Lesen, gewaschene Waesche in der Sonne trocknen, Duschen, Essen und GPS ausprobieren. Waehrend Steffi den Blog vom Vortag schreibt, erklaere ich Daggy das Prinzip des Clicker Trainings und wir fangen an, die Hunde mit echtem Yakkaese auf den Click zu konditionieren.
Ich beschrifte noch alle Medikamente mit den Dosierungsanleitungen auf Englisch und treffe mich mit Paddam, um spezielle medizinische Dinge zu besprechen, die fuer den Rest der Staffel weniger interessant sind. Paddam ist ziemlich fit darin und wird die Staffel bei allen Einsaetzen als Outdoor Paramedic begleiten und dann auch die tiermedizinische Notfallbehandlung uebernehmen. Wir sind uns einig, dass Chirurgie interessanter und einfacher ist als Internistik, da sieht man wenigstens, was der Hund hat und was man tun muss.Abhaengen
Am spaeten Nachmittag haben wir ein Treffen mit allen Hundefuehrern und Paddam verabredet, um das Clicker-Einfuehrungsspiel zu spielen. Es war schnell erklaert und zur Demonstration spielten es Steffi als Hund und ich als Hundefuehrer. Steffi sollte eine Blume aus der Vase nehmen und auf einen leeren Stuhl legen. Be patient.. es war unheimlich witzig und die Hundefuehrer haben sehr gut aufgepasst. Ein paar Runden spaeter war Daggy der Hund und Krishna bediente den Klicker. Er sollte den Wassernapf hochheben, quer ueber die Terrasse tragen und auf den Tisch stellen. Seinen Versuch, aus dem Napf zu trinken, konnten wir gerade noch unterbinden, und so richtig spannend wurde es, als Krishna Gefahr lief, eine Dusche abzubekommen.. Wir haben in der ganzen Zeit nicht so viel gelacht wie in dieser Stunde.
Abends gab es selbstgemachte Pommes frites, Bueffelwuerstchen und geduenstetes Gemuese. Wir gingen recht frueh ins Bett, denn der Wecker stand auf 5.30 h. Beim naechtlichen Toilettenbesuch war kein Leopard mehr in Sicht, nur eine Spitzmaus war zu hoeren. Auch hatten wir keine Gelegenheit mehr, die saphiraehnlich reflektierenden Spinnenaugen im Dunkeln anzuschauen.

Es gibt hier so viele tolle handflaechengrosse Spinnen mit Netzen von gut 1,5 m Durchmesser, aber wenn man mal welche braucht, sind keine da.

Daniela

Kuschelspinne Hier ist sie....Nephila maculata, auch Riesenradnetzspinne oder Golden orb web spider, gehört zu den Seidenspinnen, den größten Spinnenarten außerhalb der Vogelspinnen-Gattung. Es ist übrigens ein Mädchen ;-). Die Gattung Nephila ist über ganz Südostasien verbreitet.

Mittwoch, der 26.11.08

Im Dunkeln, noch vor dem ersten Hahnenschrei, klingelt der Wecker. Ein Minifruehstueck (ich bleibe lieber abstinent ausser einer MCP Tablette wegen der bevorstehenden Offroadfahrt), etwas Kaffee, die Gepaeckstuecke vor der Bavaria Lodge abstellen. Und dann geht es ganz schnell. Ingo marschiert Punkt 6.30 los, um der Sonnenhitze im Middim-Khola-Tal aus dem Weg zu gehen. Die Jungs kommen mit allen Hunden, noch ein gemeinsames Abschiedsfoto und alle Hunde noch mal knuddeln.Abschied

Dann folgen wir Ingo, zusammen mit den Portern. Die Hunde sind sicherheitshalber angeleint und gehen anschliessend in die andere Richtung mit den Jungs spazieren. Aldo bellt zum Abschied.

Der Weg am Middim Khola entlang ist ein schoener Spaziergang, ein paar Flussueberquerungen auf Steinen oder mit hochgekrempelten Hosen durch das knietiefe, nicht sonderlich kalte Wasser, und schon naehern wir uns wieder der Zivilisation. Hier auf dem Lande ist schon alles am arbeiten, Bueffel dreschen den Reis, ein anderer wird zur Unterstuetzung herbei getrieben, der eine holt einen Krug Wasser, woanders wird Waesche gewaschen, Gemuesepflanzen gegossen oder Strohballen gepackt. Wir kommen an einer Beerdigung vorbei, eine Trommelkapelle musiziert um ein kleines Feuer herum und wenn Paddam es nicht gesagt haette, haette man die froehliche Gesellschaft durchaus fuer eine anderweitige Festivitaet halten koennen. Schliesslich erreichen wir die Haengebruecke.
Brücke
Auf der anderen Seite wartet schon Jith mit dem Jeep. Wir verabschieden uns von Paddam und den anderen, die als Porter mitgekommen sind, bis naechstes Jahr, maybe.

Die Piste hat an Offroadqualitaet deutlich hinzugewonnen, da es hier offenbar kurz zuvor stellenweise ziemlich geregnet haben muss. Im Jeep ist alles viel einfacher, und wir fragen uns ernsthaft, wie wir das vorher mit dem Bus ohne Allrad hinter uns gebracht haben. Unterwegs begegnen wir mehreren Bussen, die wir entweder ueberholen oder die uns entgegen kommen. Eine Stelle zum Ausweichen findet sich wundersamer Weise immer irgendwie. das muss am allgemeinen Karma in Nepal liegen.Unterwegs nach Pokhara
Im Office in Pokhara hat uns Pulmaya, die Frau von Jith und schon ein leckeres Dhal-Bat (Reis mit Linsensosse und spinatartiges Gemuese) und Buttermilch vom Bueffel bereitet. Die Milch war noch so frisch, dass am Grund unspezifische dunkle Partikel schwammen. Aufgrund meiner eigenen ungeuebten Melkerfahrungen wollten wir dann gar nicht so genau wissen, was das wohl sein mochte. Die naechsten 8 Stunden werden dann ueber den Amoebengehalt entscheiden!
In einer kleinen Mittagspause (wir gingen irgendwann rein, weil es draussen auf der Dachterrasse in der prallen Sonne gute 28 Grad warm war) fuehrten wir das erste Telefonat nach Deutschland. Mit Entsetzen erfuhren wir dabei, dass es in Hessen einen Kaelteeinbruch mit Schnee (!!!) gegeben hat. Was uns spontan dazu veranlasste, beim anschliessenden Einkaufsbummel (eigentlich ging es nur darum, unsere Tickets fertig zu bezahlen und der Bank einen Besuch abzustatten) dicke Fleece- und Goretexwinterjacken zu kaufen. Schliesslich haben wir so gar keine Wintersachen dabei und laufen die ganze Zeit barfuss in unseren Schlappen rum. Steffi behauptet aber, dass ihre Birkenstocks winterfest sind.

Heute abend gehen wir mit der Staffelfuehrung japanisch Essen und bis dahin schreiben wir noch Emails, diesen Blog hier und sortieren Fotos am Laptop. Solange der Strom noch da ist.

Daniela

Donnerstag, der 27.11.08, 2. Versuch

Nachdem Danielas ausführliche Beschreibungen im WWW verschwunden sind, muss ich jetzt ran, denn sie hat keine Lust mehr.

 

 

Donnerstag war unser letzter Tag in Pokhara. Wir hatten uns entschlossen, einen Inlandflug zu nehmen, um der langwierigen und nicht ganz ungefährlichen Fahrt nach KTM zu entgehen.

Wir konnten zum letzten Mal lecker bei Jiths Frau Pulmaya frühstücken, einen kleinen Spaziergang in die ländliche Umgebung unternehmen (ohne Hunde....) dann war schon Zeit zum Abschiednehmen. Schnell noch ein paar Abschiedsfotos, Gepäck in den Jeep verladen und los gings Richtung Pokhara Airport. Pulmaya und Prem nutzen die Gelegenheit , nach Pokhara zu kommen und begleiten uns bis zum Flugplatz. Naja, ein ziemlich ödes und runter gekommenes Gebäude. Der Schalter von Yeti Air hat noch geschlossen. Also erst mal warten.... Irgendwann dürfen wir dann unser Ticket zeigen, das Gepäck wird von einem wichtig aussehenden Beamten genau unter die Lupe genommen. Der Body Check beginnt mit dem Durchgang durch den Metalldetektor, der aber seiner Aufgabe vermutlich schon länger, nicht mehr nachkommt, denn dahinter befinden sich die richtigen Durchsuchungskabinen, in denen Männer und Frauen getrennt natürlich, von Hand unter die Lupe genommen werden, das funktioniert wenigstens!

Eine triste Wartehalle , in der wir noch viel zu viel Zeit verbringen müssen, da mal wieder gestreikt wird in KTM und der Flieger Verspätung hat. Man nimmt es gelassen in Nepal.

Einziger Lichtblick, ein kleines Mädchen, das so niedlich spielt, dass es alle Blicke auf sich zieht und letztlich die ganze Wartehalle unterhält.

 

 

Nach ca. einer Stunde plötzliche Motorengeräusche und die kleine Maschine, die uns nach KTM bringen soll, landet endlich. Jetzt geht alles schnell. Es kommt Leben in die Wartenden, draussen werden in Windeseile die Koffer und Passagiere ausgeladen, Minuten später können wir einsteigen.. Ganz schön klein, das Flugzeug! Nur ca 25 Sitzplätze 2 Propeller, zwei Piloten und eine Stewardess.

Mit rasantem Steigflug waren wir bald auf gleicher Höhe wie die Spitzen der Himalayaberge. Die letzten Fotos vom Bergpanorama, ein paar Erdnüsse und schon wieder Landeanflug auf KTM. Das ging wirklich schnell!

Am Flughafen wurden wir schon von Nobin erwartet, der uns exrta abgholte, da unsere Gastgeberin arbeiten musste. Am Taxistand mussten wir zähe Verhandlungen durchstehen, um für einen angemessenen Preis ins Haus unserer GastgeberIn gefahren zu werden. Gar nicht so einfach, denn jeder dachte, er sei der Billigste und wollte schon mal unser Gepäck in sein Auto verfrachten. Da es in KTM keine Strassennamen und Hausnummern gibt, hat Nobin unser Taxi auf dem Motorrad begleitet. Eine nicht zu unterschätzende Leistung im Verkehrsgewühl von KTM.

 

 

 

Unser Taxi, ein asiatischer Kleinwagen mit Kupplungsschaden und ohne wirkungsvolle Bremsen machte die Fahrt zum echten Abenteuer. Der ziemlich streng riechende Fahrer verstand es , mit der desolaten Kupplung doch immer wieder anzufahren, der Bremsweg wurde zugeschnitten auf die Bremsanlage berechnet, sodass wir dann doch immer ein paar Zentimeter vor dem nächsten Auto zum Stehen kamen. Nobin blieb tapfer an unserer Seite , mal vor mal hinter uns, bis wir unser Ziel endlich erreichten..

Wir waren erst mal ziemlich erschöpft und haben bis abends Siesta gehalten.
Steffi 

 

So, jetzt hab ich mich wieder vom Computercrashschock erholt und schreibe mal was von dem, was ich abends getrieben habe. Zwei der Gastgeberhunde hatten abends einen Termin beim Tierarzt. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und fuhr mit Nobin mit. Die Tierarztpraxis ist noch recht neu, während der Tierarzt schon ein alter erfahrener Hase ist. Nachdem ich gelesen hatte, dass der Kollege in Deutschland gearbeitet hatte, kamen wir recht schnell ins Gespräch und hatten auch schon unsere ersten Gemeinsamkeiten: Er war im Frankfurter Zoo beschäftigt gewesen und kannte natürlich auch die JLU in Giessen, an der ich studiert hatte. Während seine Assistenztierärzte die Hunde behandelten, unterhielten wir uns angeregt über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Nepal und Deutschland bezüglich dem Vorkommen verschiedener Parasiten und Hundekrankheiten, den erhältlichen Medikamenten, dem Patientenaufkommen und natürlich den Honoraren für Standardtherapien. In seiner Praxis war vieles so ganz anders als wir es gewohnt sind, alles sehr geräumig und auch sehr sauber, es gibt sogar ein Elektrochirurgiegerät, aber die Ärzte laufen in ihrer Strassenkleidung rum inclusive Jacke und Mütze, und nur er als Chef trägt einen Anzug und einen Kittel drüber. Wir plauderten noch eine ganze Weile und freuten uns gegenseitig, in Nepal auf einen netten Kollegen getroffen zu sein.
Daniela

Freitag, der 28.11.08

Nobin und der Fahrer hatten sich angeboten, uns als Touristenguide und Shoppingbegleiter zur Verfügung zu stehen. Ein Angebot, dass wir natürlich gerne angenommen haben.

Im tollen Geländewagen fuhren wir erst mal in die Altstadt von KTM, wo sich eine Vielzahl hinduistischer und buddhistischer Tempel befinden. Wunderschöne Holzschnitzereinen an den Gebäuden, überall Glocken, märchenhafte Figuren , die die Tempel bewachen , oder selbst Zweck der religiösen Verehrung sind. Wir sind um Jahrhunderte zurückversetzt worden.

 

 

Ein kleiner Tempel beherbergt die Kumari, die lebende Göttin, die als kleines Mädchen bis zu ihrer Pubertät dort leben muss. Manchmal kommt sie ans Fernster, doch für uns hat sie sich nicht blicken lassen.

Einen Einkaufsbummel durch die Gassen von Thamel, dem Touristenviertel von KTM, haben unsere Begleiter mit stoischer Geduld und asiatischem Lächeln über sich ergehen lassen. Wirklich sehr höflich die Nepalis, sie haben sogar behauptet, es würde ihnen Spass machen. (Anmerkung von D.: Sie sind einfach nur nett und meinen es garantiert auch so, wie sie es sagen!)

Unser nächstes Ziel war der Monkey Temple, ein bedeutendes buddhistisches Heiligtum in KTM.

Er liegt etwas ausserhalb auf einem Berg mit phantastischer Aussicht auf die City. Ein beeindruckender Tempel, wo sich hunderte von Gebetsmühlen drehen und wohin viele Tibeter pilgern.

Zwischen den heiligen Stätten hausen grössere Horden von braunen Affen, sog. Makaken, die sich zwischen den Buddhastatuen unverblümt balgen, lausen und vermehren.

Daniela hat sehr viele Fotos von ihnen gemacht.........

Ziemlich erschöpft von den vielen Eindrücken sind wir dann wieder zurück zum Haus unserer Gastgeberin gefahren, wo wir dann trotz Stromausfall ein leckeres Abendessen bekamen und noch ziemlich lange über unsere Abenteuer in Shyauli Bazaar geredet haben.
Steffi

 

Samstag, 29.11.09

Der heutige Tag stand wieder ganz im Zeichen des Sight seeings, nachdem wir gestern abend noch zu Fuß quer durch den Stadtteil, in dem wir wohnten, zu einem Supermarkt gelaufen waren, ursprünglich ging es dabei nur um die Beschaffung von Vanillearoma für die Kuchenbackkünste der Tochter unserer Gastgeber. Vanillearoma war zwar offenbar in ganz Nepal ausverkauft, aber dafür haben wir uns noch mal so richtig reichlich mit „Mitbringseln“ eingedeckt: Verschiedene nepalesische Gewürze, Tees in schönen geschnitzten Holzkistchen, unbekannte getrocknete Früchte und andere Snacks… die große Supermärkte in KTM sind ähnlich gut ausgerüstet wie in Deutschland, man bekommt praktisch alles, was es hier auch zu kaufen gibt, inclusive Schokoriegel und Ritter-Sport-Schokolade. Mann, hatte ich einen Heißhunger auf Schokolade… die Regale quellen regelrecht über vor Ware und in jedem Gang steht eine Verkäuferin, die die Waren immer wieder in die Regale stopft, einem bei der Suche hilft und sicherlich auch aufpasst, dass nichts geklaut wird. Leider war auch mein Lieblingshonig offenbar genauso ausverkauft wie das Vanillearoma. Als wir wieder aus dem Laden rauskamen, war es bereits dunkel, und ich meine wirklich stockfinster, da es in diesem Stadtteil wieder mal Stromausfall gab. Gleichzeitig war der allgemeine Feierabendverkehr hereingebrochen. Der Smog war wirklich unerträglich, der Staub und die Abgase brennen einem auf der Haut und ich wünschte mir sehnlichst eine Staubmaske. Mittlerweile kommen wir mit dem Chaos-Verkehr blendend zurecht und können ziemlich relaxt auch die wüst befahrenen Straßen in völliger Dunkelheit überqueren. Noch vor 10 Tagen hätte ich selbst an einer Ampel mit Zebrastreifen kaum alleine die Straße überqueren können…

Heute morgen fuhren wir dann nach Patan. Unsere Gastgeberin hatte in der Gegend dort Termine und setzte uns ab, wir verabredeten uns dann anschließend an der Tierarztpraxis, wo sie auch noch einen Termin hatte.

 

Patan ist ein Stadtteil in KTM, der früher eine eigenständige Königsstadt war und schon über 2200 Jahre alt ist. Es gibt hier unzählige jahrhundertealte Tempel, große und kleine, größtenteils buddhistisch, aber auch reichlich viele Hinduheiligtümer. Wir lehnten den freundlichen Touristenguide höflich ab (was echt schwer fällt, denn die Menschen hier sind einfach nur liebenswürdig, leise und höflich und bieten ihre Dienste irgendwie unaufdringlich an, man kann kaum etwas abschlagen); er wies uns aber noch darauf hin, dass heute ein hinduistischer Festtag sei , wo Frauen für Fruchtbarkeit beten oder danken und es würde später noch einen Umzug oder eine Prozession

 

 

geben und zeigte uns die Richtung, die wir dafür einschlagen müssten. Wir zogen also auf eigene Faust durch den Stadteil mit den vielen engen Gässchen, ausgerüstet mit einem Stadtplan und Steffis Kamera. Hinter jedem Gässchen und in jedem Hinterhof taten sich neue Tempel auf, große und kleine, alle mehr oder weniger uralt und mit sehr schönen Holzschnitzereien verziert. Wir besuchten

 

auch einen Wochenmarkt, inmitten eines großen Innenhofs. In allen Gässchen gibt es kleine Läden, die verschiedenste Hülsenfrüchte ebenso verkaufen wie allerlei Küchengerät. Auf dem Markt gab es eine Gemüse- eine Trockengemüse/Hülsenfrucht-Abteilung, eine Fischabteilung und eine Fleischabteilung, alle im Karree angeordnet, und auf der Rückseite der Fleischstände war die Frischware entweder in Körben am Gackern oder an Pflöcken angebunden am Meckern. In der Mitte des Platzes wohnte das ortsansässige Straßenhunderudel (ausgesprochen wohlgenährt…)

Irgendwann trafen wir an unserem Treffpunkt ein und fuhren anschließend noch zur weltberühmten großen Stupa, dem größten buddhistischen Heiligtum in Nepal. Wir umrundeten die Stupa auf der ersten Ebene und konnten all die Eindrücke im Licht des Sonnenuntergangs festhalten.

Leider bekam ich im Laufe des Tages Migräne… bei dem Smog und der Sonneneinstrahlung eigentlich kein Wunder. Nachdem wir wieder in unserem Quartier waren, legte ich mich den verbliebenen Spätnachmittag ins Bett… irgendwann abends wachte ich dann wieder auf, und alles saß schon auf heißen Kohlen. Wir hatten nämlich unsere Gastgeber und Hundesitter für unseren letzten Abend zum Essen eingeladen. Die hätten mich doch wecken können!!!!

So fuhren wir etwas verspätet los und trotz Stromausfall verbrachten wir einen sehr schönen Abend beim „Schmuddelchinesen“. Aber wer isst schon von der Tischdecke… lecker wars jedenfalls, nur die schwarzen fermentierten Eier (Spezialität des Tages) waren mir etwas suspekt.

Daniela


Sonntag, 30.11.08

Heute ist unser letzter Tag in Nepal.

Vormittags sind wir nach Thamel gefahren und gingen noch mal ausführlich shoppen. Schließlich mussten noch viele viele Mitbringsel gekauft werden, ein paar schöne Andenken für uns selbst und Weihnachtsgeschenke für die Familie, sowie für mein neugeborenes Patenkind in Deutschland. Man kann wirklich in Kaufrausch geraten, insbesondere die Yakwollesachen haben es mir angetan. Jeder Lebensmittelladen wurde noch mal nach meinem Lieblingshonig durchforstet, aber außer einem seit Jahren abgelaufenen Glas leider negativ. Viele viele zähe Verhandlungen später (insbesondere Steffi hat ein neues Talent an sich entdeckt ;-)) und bepackt mit etlichen Plastiktüten aßen wir noch eine Kleinigkeit in einem Gartenrestaurant eines Hotels in Thamel und beobachteten die Touristen. Irgendwie waren wir ja auch welche, aber ich hatte nicht das Gefühl…

Wir legten Geld zurück für die Flughafengebühren, aber das restliche Geld wollte noch ausgegeben werden. Unsere Gastgeberin kannte ein paar sehr schöne Läden, wo es neben echten Handarbeiten z.B. von Frauenkooperativen und qualitativ erstklassigen Pashmina-Artikeln (Pashmina ist das feinste Haar der Kashmir-Ziege und Stoffe daraus sind im Westen unbezahlbar) gab. Wir hatten keine Probleme, unsere letzten Rupien loszuwerden und es gab soooo viele schöne Dinge die mit wollten, aber irgendwann muss mal Schluss sein und der Seesack, mit dem wir unsere Spenden hertransportiert hatten, war bereits randvoll mit Staffel-T-shirts als Geschenke für unsere Helfer in Deutschland und all unseren Mitbringseln.

Nach dem Einkaufsbummel fuhren wir ins bedeutendste hinduistische Heiligtum Nepals, nach Pashupatinath. Hier sind einige Tempelanlagen, die von Nicht-Hindus nicht betreten werden dürfen, aber auch so ist die Anlage riesig und es gibt Tempelanlagen aus dem 14.-17. Jahrhundert zu bestaunen. Der heilige Fluß Nepals, der Bagmati (Nebenfluss des Ganges), fließt hier durch den „Stadteil“ von KTM und schafft ein idyllisches Tal. Hier gibt es nicht nur „ganz normale“ Wäsche-Waschplätze für die Anwohner, sondern auch rituelle Badestellen und hier werden auch die Toten verbrannt. Am Ufer des Flusses werden auf bestimmten Stufen zu diesem Zweck Scheiterhaufen errichtet. Ihre Überreste werden dann dem Bagmati überlassen.

Eine richtige Berufsgruppe gibt es, die den in der Trockenzeit niedrigen (und furchtbar dreckigen) Fluss nach brauchbaren Dingen absucht, und irgendwoher hat man einen Zinksarg besorgt, der dabei als Transportboot mit „Flipflop-Paddel-Antrieb“ fungiert. (Bild 209)Nobin, der selbst früher Hindu war und jetzt Christ ist, erklärte einige der Zusammenhänge.
 

 

Der Hügel mit den Tempelanlagen beherbergt außerdem ein Wildgatter mit Oryx-Antilopen und – wie soll es anders sein – unzähligen Affen, die hier hausen und in verschiedenen Gruppen die Gegend unsicher machen. Dabei führen offenbar einige Affen-Machos ganze Harems von Affendamen mit ihren winzigen und verspielten Affenbabies. Diesmal hat es wenigstens geklappt mit den Affenfotos… Am gegenüberliegenden Ufer des Bagmati wuschen etliche Frauen ihre Wäsche und auch dort gab es Affen, die dann auch schon mal ein Wäschestück stahlen. Die erste aufgebrachte Affenhetze brach dann aber ziemlich schnell in heftiges Gelächter um. Wozu aufregen… Wieder einmal ein Zeichen für die wunderbare Gelassenheit der Nepalesen. Affen und Antilopen sind nicht die einzigen Tiere in Pashupati, hier leben auch die Stiere (es gibt halt nicht nur heilige Kühe).

Sie laufen frei und ziemlich eindrucksvoll durch die Tempelanlagen, Treppen rauf und runter (und es gibt hier ziemlich viele Treppen), durch Menschenmengen von Touristen, Pilgern und anderen Einheimischen. Erst vor kurzem war hier ein Tourist zwischen zwei kämpfende Bullen geraten und schwer verletzt worden… Ein Grund mehr für uns, den eindrucksvollen Tieren respektvoll zu begegnen. Am Rande von Pashupatinath ist ein Asyl für Straßenkühe eingerichtet worden, denn man möchte sie aus dem Verkehr raus haben.

Durch den gewohnt chaotischen Straßenverkehr (ja, man kann sich tatsächlich gut daran gewöhnen!) ging es wieder heim zu unseren Gastgebern. Am späten Nachmittag war es dann so weit, unsere Zeit in Nepal ging zu Ende. Nobin zog noch schnell los und besorgte eine schöne große und reife Papaya (die in Nepal vieeeel besser schmecken als hier) und die ich die ganze Zeit in meinem Handgepäck mitführte und unsere Gastgeberin schenkte mir noch ihr halbvolles Honigglas ;-). Wir wurden zum Flughafen gefahren, und trennten uns nach einem herzlichen Abschied von unseren Freunden in Kathmandu. Wir arbeiteten uns durch Gebührenschalter, Personen- und Gepäckkontrollen, Gepäckaufgabe und verbrachten noch einige Zeit in den Wartehallen, bis wir schließlich in unsere Maschine der Qatar-Air einsteigen konnten. Ein sanfter Start, eine letzte Sicht auf Kathmandu. Laut GPS waren wir kurze Zeit später bereits über Indien. Irgendwann überquerten wir den Golf, um in Doha zwischen zu landen. Der Flug verlief sehr ruhig, wenn man mal von einer Passagierin absieht, die sich eine Lebensmittelvergiftung zugezogen hatte und mit entsprechenden Auswirkungen auf dem Gang zusammen klappte. Das hielt die Passagiere genauso auf Trab wie die Stewards und Stewardessen und das Economy-Class-Klo für längere Zeit besetzt.

Daniela

Montag, 1.12.08

Unser Aufenthalt in Doha war ziemlich lang und ziemlich langweilig. Wir wussten mittlerweile, wo die Ruhe-Lounge war, aber so richtig konnte ich da auch nicht schlafen, im Gegensatz zu Steffi. Ich machte es mir auf den leeren Wartebänken halbwegs bequem, beobachtete den Verkehr draußen auf dem Vorfeld und einen Spatz in der Wartehalle, der die Mülleimer auf Essbares durchsuchte. Und beneidete einen Trekkingtouristen, der sich in seinem Schlafsack vor dem Panoramafenster ausgebreitet hatte und tief schlief… Zumindest wollte ich den „Sonnenaufgang über der Wüste“ mal fotografieren. Leider ist es in Doha so diesig und wolkig gewesen, dass es nur diffus hell wurde. Aber naja, ein paar Fotos vom erwachenden Flughafen gab das dann doch. Neben Kompass (hilft tatsächlich gegen Luftkrankheit, man hat damit einen sachlichen Anhaltspunkt für Richtungswechsel und das hilft mit Fixpunkten wie Flügel und Sternen oder Punkten am Boden, das Innenohr in normalen Tätigkeitsbahnen zu halten) und GPS (ich hab mich auf dem Hinflug so geärgert, dass ich nicht wusste, welche Länder und Gewässer wir dort unten sahen) hatte ich jetzt auch mein kleines Fernglas im Handgepäck. Das erwies sich als nützlich, da ich damit von meinem Platz aus bequem die Abflugtafel lesen konnte…

Steffi war dann auch irgendwann wieder wach und wir gingen in eins der Cafe´s und hörten dort ein Gespräch zwischen zwei Piloten, nachdem in Westeuropa das Schneechaos ausgebrochen war und der Airport in London bereits geschlossen war und Paris kurz davor sei. Na prima, hoffentlich würden wir noch vor der Wetterfront in Frankfurt eintreffen!

Die Fahrt mit dem Bus über den gesamten Flugplatz und das Besteigen der Maschine war mittlerweile Routine. Auch diesmal war der Start sehr sanft und wir hatten einen tollen Blick auf die künstlichen Inselanlagen vor der Küste der Emirate, überquerten den Golf, und flogen lange Zeit über dem Iran mit seinen schneebedeckten Gebirgszügen, flogen über die Türkei mit Blick auf den Van-See, überquerten das Schwarze Meer und flogen über Bulgarien, Rumänien und Ungarn und über Österreich begann schon der Sinkflug. (Übrigens stimmt der GPS-Höhenmesser offenbar nicht ganz mit der Realität überein ;-))) Wir erkannten schließlich den Main, Würzburg und den Spessart und hatten nach Durchqueren der Wolkenwatte einen schönen Blick auf Frankfurt und den Taunus. Und schon hatte uns der hessische Boden wieder…

… naja, und abends dann hat es mich doch noch eingeholt, das Amöbengelächter. Aber Steffi ist auch nicht leer ausgegangen…

Es dauerte noch eine Weile, bis ich wieder richtig zu Hause war. Das fing an mit meiner ersten Fahrt zur Arbeit gleich am nächsten Morgen, wo ich mich wirklich auf den vorgeschriebenen Rechtsverkehr konzentrieren musste. Die Alltagsprobleme holten einen schnell wieder ein, viele Korrespondenzen mussten erledigt werden und vieles, was vor der Reise zurückstehen musste, wollte aufgearbeitet werden. Die nasse Kälte war nicht wirklich ein Willkommensgruß, und mir fehlen die freundlichen, sanften Menschen in Nepal. Man kann dieses wundervolle Land mit seinen wundervollen Menschen einfach nur ins Herz schließen. Aber ich bin mir jetzt auch ganz sicher, egal was für Widrigkeiten die Zukunft für unsere Freunde in Nepal bringen wird, unsere Hunde sind dort gut untergebracht.

Das Nepal-Virus hat mich erwischt und was soll´s, ich spare bereits für das nächste Ticket.

Daniela


 
   

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